Geschichte Killwangen

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Killwangen im Kriegsjahr 1799
Aus dem Killwanger Neujahrsblatt von 1999 von Hans Schädler

1799 war die Schweiz einer der Hauptkriegsplätze im Krieg zwischen der grossen Koalition von England, Russland, Oesterreich, Portugal, Neapel und der Türkei gegen das napoleonische Frankreich. Der Übergang der Franzossen über die Limmat am 25. September 1799 in Dietikon ist ein historischer Vorgang, der die Europäische Geschichte wesentlich beeinflusst hat.

Das Kriegsjahr 1799 hat auch für Killwangen grosse Bedeutung: letztmals befanden sich Truppen einer ausländischen Macht in Killwangen.

Geschichtsträchtiges Erreignis

Am 25. September 1799 spielte sich - unweit unserer Gemeinde - mit dem Limmatübergang von General Masséna ein geschichtsträchtiges Ereignis ab. Noch heute legen die Fransosenschanzen in Dietikon - an der auch Killwanger mitarbeiten mussten - Zeugnis ab von dieser militärischen Meisterleistung, welche für die Franzosen die Entscheidung bei der zweiten Schlacht von Zürich brachte. Diese Machtverschiebung im Zentrum von Europa eröffnete erst die spätere Unterwerfung des Kontinents und den Marsch Napoleons bis nach Moskau.

Kriegsentwicklung

Revolution heisst gewaltsame Umgestaltung. Nicht nur neue Ideen wurden geschaffen, sondern die neue menschliche Haltung brachte in alle Belange neue Aspekte. Das französische Militär wurde zum revolutionären Heer Europas. Die Franzosen wollten die Feudalherrschaften brechen. Ihr Feldzug führte sie auch in die Alte Eidgenossenschaft. Die Orte vermochten keine gemeinsame Armee aufzustellen und leisteten nur vereinzelt Gegenwehr. Die Franzosen marschierten am 26. Januar 1798 im Waadtland ein. General von Schauenburg nahm Solothurn am 2. März 1798 ein, schlug am 5. März die Berner bei Fraubrunnen und am Grauholz un besetzte anschliessend Bern. Am 8. März 1798 wurde Schauenburg Oberbefehlshaber der Armée Helvétique. Er führte zwei brutale Feldzüge in der Innerschweiz. Am 12. Dezember 1798 wurde er durch General André Masséna ersetzt. 

Killwangen in der Frontlinie

Schon im Winter 1798/99 hatte der Kanton Baden, wie dei übrige Eidgenossenschaft, französiche Truppen einquartiert. Der Rückzug der Franzosen hinter die Limmatlinie, nach der verlorenen Schlacht um Zürich am 4. und 5. Juni 1799, brachte Dietikon, Spreitenbach und Killwangen in die Frontlinie, verbunden mit starker Truppenbelegung. 

Schon dazumal sah General Masséna die wichtige Stellung des Austritts des Reppischtals in die Limmatebene. Hier war der bequemste Übergang über den Mutschellen in Richtung Bremgarten. Das Hauptquartier der französichen Truppen in der Schweiz befand sich kurz vor dem Limmatübergang im September 1799 in Lenzburg. Vom Juni bis etwa Mitte Juli war das Hauptquartier kurze Zeit in Bremgarten. Die Aare - Limmat-Linie war am stärksten mit Truppen besetzt. Vom Albis - Uetliberg, um die Tore der Stadt Zürich, einem starken russischen Gegner gegenüber, hielt die französiche 4. Division Wache. Das Hauptquartier dieser Division befand sich in Birmensdorf; Kommandant war General Mortier. Ausser den Nummern trugen die Divisionen sehr oft auch den namen ihres Kommandanten. Schlieren - Urdorf - Dietikon - Spreitenbach - Killwangen hielt die 5. Division unter dem Kommando des General Lorge. Dieser hatte sein Hauptquartier in Urdorf aufgeschlagen.

Brigadegeneral Gazan, Ortskommandant von Dietikon, befehligte die in Dietikon und zeitweise auch in Killwangen stationierte Halbbrigade 37, die Helvetische Legion Nr. 1 und die 57. Halbbrigade.

Die Aufstellung der 5. Division am 20. September 1799

General Masséna liess sich am 18. August 1799 eine Karte von der Gegend des Hasenberges, des Limmattales un der Ausläufer des Albis zeichnen.

Karte.jpg (172279 Byte)

In der Sehr gut gelungenen Zeichnung finden sich Eintragungen über die damaligen Truppenlager. Danach bafanden sich auf beiden Dorfseiten von Killwangen und Spreitenbach Truppenlager. Die ganze Limmat war durch eine Postenkette besetzt, die den Feind am rechten Ufer beobachtete. Gegenüber dem Bickgut wurde eine Batterie Positionsgeschütze zu vier 12-Pfund-Kanonen in Stellung gebracht. In Spreitenbach und Killwangen wurde je eine Kanone aufgestellt.

Am 20. September 1799 hatte sich die 5. Division nachweislich wie folgt aufgestellt:

 10. Halbbrigade 
 leichte Infanterie 
 2311 Mann   Altstetten-Schlieren 
 37. Halbbrigade 
 Linien-Infanterie
 2404 Mann   Dietikon
 57. Halbbrigade
 Linien-Infanterie
 3006 Mann   Spreitenbach und vor Urdorf 
 102. Halbbrigade 
 Linien-Infanterie
2797 Mann  Mellingen
1. Helvetische Legion 1264 Mann Killwangen
6. Husaren-Regiment 520 Mann Altstetten-Dietikon
13. Dragoner-Regiment 435 Mann Spreitenbach
an Artillerie 319 Mann Bremgarten und vor Urdorf

Russische Truppen in Würenlos

Ende August 1799 befanden sich zwischen Zürich und der Einmündung der Aare in den Rhein nur noch russische Truppen. Sie standen der neuen taktischen Fechtart der Franzosen noch unwissend gegenüber. Ihre Angriffskunst war die blanke Waffe. Die ganze Ausbildung und Ausrüstung wurde auf den Sturmangriff mit Bajonett ausgerichtet. Beachtenswert ist, dass die Mittel für das gesamte Korps, Verpflegung, Unterkunft, Sold, Munition usw. durch England aufgebracht wurde. Russland stellte die Mannschaft, während England die Kosten bezahlte.

Zwischen dem 28. und 30. August 1799 übernahm Korsakoff den Befehl von Rapperswil bis an die Aaremündung. Seine Hauptmacht stellte er vor Zürich. Den ganzen Limmatabschnitt kommandierte General-Leutnant Sacken.

Im Bickgut, zwischen Oetwil und Würenlos befand sich eine Kompagnie aus dem Regiment Markoff. Dort beherrschten zwei Kanonen das gegenüberliegende Ufer. Auf dem linken Ufer der Limmat war es den Franzosen im Kessel möglich, die Strasse Oetwil - Würenlos erfolgreich mit Feuer zu sperren.

Längs der ganzen Limmat waren 92 Beobachtungsposten eingerichtet. Das feindliche Ufer (Killwanger-Seite) befand sich unter ständiger Kontrolle. Die Truppen lagerten in Zelten. Die Ordnung wird unterschiedlich geschildert. So bemerkte der russische General Sacken am 24. August 1799, dass "seit vier Tagen ohne Brot - in grösster Unordnung zwischen Gärten und Häusern gelagert wurde. Nur hie und da ein Zelt aufgespannt - sie stahlen, plünderten und brannten." Nirgends steht etwas, dass die russischen Truppen Feldbefestigungen errichteten oder Schanzarbeiten durchführten.

Der lautlose Angriff

Anno 1794 wird di Limmat noch als "...ungetrübtes Wasser..., schön an Farbe wie eine Brunnquelle..." beschrieben. Oberhalb dem Kloster Fahr und unterhalb von Oetwil war die Limmat ein wildes Wasser. Durch keinerlei Stauung eingedämmt, floss sie rasch und reissend talwärts.

Dank der günstigeren Gelände- und Wasserverhältnisse wurde die Stelle oberhalb dem Dorfe Dietikon als Übergang bevorzugt. Zwischen dem Kloster Fahr und Oetwil floss die Limmat ruhiger. Die zu übersetzenden Boote wurden wenig abgetrieben, was Zeit sparte. Eine Pontonbrücke konnte mit geringer Mühe erstellt werden. In technischer Hinsicht galt dies als die beste Stelle für den Brückenschlag.

  

    
Im Sommer 1799 fasste General
Masséna den Plan, die russische Front
mit einem überraschenden Übergang
über die Limmat zu durchbrechen
Kartenausschnitt von 1801 aus dem Buch
"Passage de la Limat" von Dedon
Zu sehen:
  • die Landstrasse von Schlieren
    nach Dietikon mit der Abzweigung der
    Urdorferstrasse  beim Schäflibach.
  • die Plätze, an welchen vor dem
    Angriff die Boote deponiert sind.
  • die Militärbrücke über die
    Limmat.

Der lautlose Angriff der Franzosen wird in einem Kriegbericht wie folgt geschildert:

Um diese Zeit (Mittwochs den 25. Herbstmonath 1799) war es, dass die Generale Dedon und Gazan den Befehl ertheilten, die an der Ausmündung des (von urdorf herkommenden, damahls ausgetrockneten) Schäflibaches sich befindenden Zürcherischen Pontons (von denen jeder 20 Mann aufnehmen konnte) in s Wasser zu schieben und die Spitze der Avantgarde darin ein- und auf das Rechte Limmatufer hinüberzuschiffen, um die russischen Vorposten anzugreifen.

Da aber der niedrige Wasserstand das Abstossen der Schiffe vom linksseitigen Ufer erschwerte und das hiebey unvermeidliche Geräusch die russischen Wachen alarmierte, so säumten diese nicht, die Ankommenden mit Gewehrsalven zu begrüssen, welche 20 französische Geschütze so lebhaft erwiederten, dass die Russen bis an den Saum des Waldes sich zurückziehen mussten; - um so eher, als die ueberschiffung des französischen Vortrabs (welche um 4 3/4 Uhr begonnen hatte) so rasch sich fortsetzte und vollendete, dass ganz kurze Zeit nachdem die ersten Flintenschüsse gefallen waren, kein einziges Schiff mehr am linken Ufer zurückblieb und bereits 600 Franzosen auf dem rechten Ufer sich befanden...

Schlussbetrachtung

Der Limmatübergang vom 25. September 1799 war, militärisch gesehen, eine hervorragende Leistung, welche den republikanischen Fahnen hohes Lob und Ruhm einbrachte. Die grosse militärische Tat wurde sogar am Arc de Triomphe in Paris mit dem Namen "Dietikon" eingetragen.

Der Arc de Triomphe in Paris mit einer Inschrift, die an die von der französischen Armee geschlagenen Schlachten erinnert.

Das Übersetzen von über 15 000 Mann und den dazugehörenden Pferden innert nur drei bis vier Stunden darf als vorzügliche Leistung bezeichnet werden und stellt allen Beteiligten, vorab General Masséna, ein ausgezeichnetes Zeugnis aus. Der begabte, initiative Heerführer verstand es, seine Operationen der jeweiligen Lage anzupassen. Seine Taktik und Führung erwiesen sich als sehr gut. Die von tapferen und fähigen Offizieren kommandierte, bemerkenswert disziplinierte Truppe führte alle ihr gestellten Aufgaben ruhig und gewissenhaft aus. Die Bildung des taktischen Schwergewichtes am rechten Limmatufer entschied dann die Schlacht, bevor der russische General einen Entschluss fassen konnte.

Betrachten wir die gesamte Epoche nach politischen Gesichtspunkten, so kann uns das Geschehene nur schmerzen. Denn, Kriegsschauplatz fremder Heere zu sein, ist das Bitterste, was einem Landstrich widerfahren kann. Die Einsicht, dass nur ein geschlossener Verteidigungswille des ganzen Landes den Frieden und die Freiheit bewahren können, kam leider zu spät.

Das Jahr 1799 hatte der Schweiz mit dem Einmarsch der fremden Truppen auch alle Schrecken und Leiden des Krieges gebracht. Die Bevölkerung geriet im Winter des Jahres 1799 in eine verzweifelte Lage. Trotz diesem Elend blieben auch im Jahre 1800 französische Truppen in der Schweiz. Erst anfangs 1801 verliessen sie das völlig erschöpfte und ausgepresste Land.

 

Interessante zusätzliche Informationen:
(auf Webseiten ausserhalb der CVP-Killwangen Site)

Killwangen im 1. Weltkrieg (1914-1918)

Informationen werden noch gesucht. Ich bin sehr an Beiträgen interessiert... >>

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(auf Webseiten ausserhalb der CVP-Killwangen Site)

Killwangen im 2. Weltkrieg

Die Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1940 vergisst die Aktivdienst-Generation des Zweiten Weltkrieges nie: In jenen Stunden wurde aufgrund von Informationen auch aus deutschen Nachrichtenquellen mit Deutschlands Angriff auf die Schweiz gerechnet. Wehrmänner schrieben oder telefonierten von ihren geheim zu haltenden Standorten nach Hause und verabschiedeten sich. Dann bezogen sie ihre Stellungen. Gegen 2 Uhr wurde die Offensive erwartet.

Bei Einbruch der Nacht machte sich zwischen Spreitenbach und Killwangen auch ein 21-jähriger Unteroffizier mit 8 Mitrailleuren zum Abwehrkampf bereit. In grösster Eile bauten sie ihren Maschinengewehrposten im Obstkeller eines alten Bauernhauses an der Badenerstrasse aus. Gerüstbretter und Eisenklammern aus dem nahen Baugeschäft dienten als Unterlage, das kleine Kellerfenster als Sicht- und Ausschussloch. «Unsere Lage im Falle eines Angriffs war hoffnungslos; einziger Schutz boten uns die morschen Kellermauern und einige Sandsäcke davor; ein Rückzug war unmöglich; einer meiner Soldaten ritzte die Zeichen unserer Einheit und unsere Namen mit dem Geburtsdatum auf ein Brett; der Keller würde sicher unser Grab sein.»

Zum Glück kam es anders: Der erwartete Einmarsch in die Schweiz erwies sich als Scheinmanöver der deutschen Heeresleitung. Nach dreiwöchiger höchster Alarmbereitschaft kamen die Schweizer Grenztruppen wieder etwas zur Ruhe. Wie sich aber später bestätigte, hatte die Wehrmacht durchaus eine Vorstellung über das schweizerische Abwehrdispositiv. Sie wusste, dass die unmittelbare Verteidigungszone am Rhein durch ein zweites, rückwärtiges Stellungssystem - «in geschickter Anlehnung an Bodengestaltung und Geländehindernisse» - ergänzt war und den Angreifer «zu völlig neuem Aufmarsch unter schwierigen Verhältnissen zwingen würde».

Von Altstätten bis ins Wasserschloss

Wichtiger Bestandteil dieser Abwehrkette war die Limmatstellung von Altstätten über Dietikon, Bergdietikon, Spreitenbach, Killwangen bis ins Wasserschloss bei Gebenstorf. Sie wurde verstärkt durch Panzersperren, Drahtverhaue, Bunker und Unterstände. Etliche dieser Bauten wurden inzwischen abgebrochen. Die militärhistorisch bedeutsame Anlage ist im Sinn eines «dokumentarischen Heimatschutzes» vor sechs Jahren in einem Buch von Walter Lüem und Andreas Steigmeier der Nachwelt überliefert worden. Als Ergänzung und Vertiefung veröffentlichten Lüem und Max Rudolf, früherer Lehrer und Aargauer Heimatschutzpreisträger, dieser Tage die Broschüre «Abwehr in Nahaufnahme».

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Im Wald neben der Guggermatt ob Killwangen stehen nahe beieinander drei Kleinbunker für Leichte Maschinengewehre. Sie sind von gleicher Bauart, nur die Eingänge unterscheiden sich geringfügig.

Killwangen-In-Bunker2.jpg (35015 Byte)

So sieht's heute im Innern der Bunker aus. Die Eingänge sind zubetoniert.

 

Pressemitteilungen:
Abwehrkampf in Nahaufnahme >>

Interessante zusätzliche Informationen:
(auf Webseiten ausserhalb der CVP-Killwangen Site)


Quelle:
Neujahrsblatt der Gemeinde Killwangen, 11 Jahrgang 1999 von Hans Schädler
http://www.dietikon-online.ch
Neujahrsblatt von Dietikon, 1952
Franzosenschanzen, 1993, Gemeinderat Unterengstringen
Staatsarchiv Aarau
Abwehr in Nahaufnahme, 2003 Walter Lüem, Max Rudolf

 


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