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Die
Entstehung des Ortsnamens Killwangen
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Killwangen auf alten
Landkarten
aus dem Neujahrsblatt
der Gemeinde Killwangen 1992, 4. Jahrgang, Hans Schädler
Kartographische
Entwicklungen
Das Limmattal - eine
geographische Region, die durch Fluss und Hügelketten klar umrissen ist
- hat mit seinen günstigen Lebensbedingungen schon seit Urzeiten zum
Bau von Siedlungen eingeladen. Heute bildet diese Region des
Limmatflusses die im besonderen Mass dem Ansturm der modernen Zeit
ausgesetzt war, eine wirtschaftliche und verkehrsmässige Einheit,
obschon sich die Ausdehnung des Gebietes auf die Territorien zweier
Kantone erstreckt. Sicher fragen Sie sich, wie es Früher in diesem
Siedlungs- und Industriegebiet, insbesondere in Killwangen, ausgesehen
haben mag. "Früher", das kann einen Sprung über ein paar
Jahrzehnte oder ein paar Jahrhunderte bedeuten. Für die Geschichte
einer Region oder Gemeinde sind alte Landkarten und Pläne wertvolle
Quellen. Doch blicken wir einige Jahrhunderte zurück.
Landmessermethoden waren
schon im Altertum und im Mittelalter bekannt, sie beschränkten sich
indessen auf dei Absteckung und Ausmessung von Arealen, von
Grundstücken, Bauplätzen usw. Daneben führten die Bedürfnisse der
Seefahrer schon seit altersher zur Konstruktion von Karten der
befahrenen Meere und ihrer Küstenstriche. Der Kompass war in Europa
seit dem 11. Jahrhundert in Gebrauch.
St. Victor auf der
Murer-Karte
Als im 15. Jahrhundert mit
dem Erwachen des abendländischen Geistesleben auch Karten ausgedehnter
Binnenländer erstellt werden sollten, fehlten zunächst brauchbare
topographische Aufnahmeverfahren. Die schwerfälligen hölzernen Geräte
der Feldmesser waren zu ungenau und nicht leicht transportierbar. So
basierten die Landkarten des 15. und 16. Jahrhunderts zur Hauptsache auf
blossen Distanzschätzungen, auf Reiseerfahrungen, auf Beobachtungen
ohne Messungen im Gelände. Dies lässt sich u.a. aus ihrer Inhaltsarmut
und den grossen Verzerrungen ersehen. Auch Jost Murer Karte des Kantons
Zürich von 1566 zählt in einzelnen Teilen zu dieser Gattung.
Killwangen ist nur durch den Namen St. Victor eruierbar. Anderseits
können wir anhand dieser alten Karte das mögliche Aussehen der
ehemaligen Kapelle erkennen.

Ausschnitt aus Murers Zürcher Kantonskarte; Holzschnitt aus dem Jahr
1566.

St. Victor... gefunden auf einer französischen Karte (Paris 1660)
Ein
unvergleichliches
Kartenwerk aus dem 17. Jahrhundert
Hans Conrad Gyger, der
grosse Zürcher Kartograph, hatte 1667 nach jahrzehntelanger Arbeit
seine berühmte Karte des Kantons Zürich beendet. Das Werk, bestehend
aus 56 Situationsblättern im Massstab 1:32'000, war für ein Gebiet
solch grossen Ausmasses die genauste topographische Karte jener Zeit,
nicht nur in der Schweiz, sondern überhaupt. Dieses geometrische
Ergebnis war dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass hier erstmals
leistungsfähige Hilfsmittel und Verfahren einem ausserordentlich
begabten, aber auch ausdauernden und zielstrebigen Manne zur Verfügung
standen. Die Karte ist nach Osten orientiert, d.h. "Nidergang der
Sonnen" liegt unten, "Gegen Aufgang" oben. Der
Lichteinfall der angenommenen Schrägbeleuchtung des Reliefs erfolgt
bemerkenswerterweise von Süden. Der gedrängte Inhalt und die
Zuverlässigkeit der "Gyger-Karte" machen sie zu einer
Fundgrube heimatkundlicher und historischer Betrachtungen. Ehemalige
Form und Grösse der Ortschaften, die Höfe, Burgen, Klöster, Mühlen,
das Wegnetz, die Brücken, alles findet sich bis ins kleinste Detail
aufgezeichnet. Dies gilt auch für Killwangen. Gygers Werk hält die
Siedlungen und agrarischen Zustände fest, wie sie zu Beginn der Neuzeit
bestanden hatten. Damit ist sie ein Dokument von grosser
kulturgeschichtlicher Bedeutung. Gyger besass kein Vorbild und keine
Möglichkeit, die Landschaft aus dem Vogelflug zu betrachten. Es ist
daher erstaunlich, wie er die Grundrissdarstellungen zeichnerisch und
malerisch zu meistern verstand. Licht und Schattentöne, auch die
Halbtöne der Ebenen (z.B. zwischen Killwangen und Neuenhof) erzeigen
einen unmittelbaren plastischen Eindruck. Gygers Malkunst kombinierte
dabei die Geländeoberflächenform und die Geländebedeckung zu so
einheitlichem Ausdruck, wie es in ähnlicher Vollkommenheit auch heute,
mehr als 300 Jahre später, nur wenigen Kartenzeichnern gelingt.

Gyger-Karte, 1667
(Vergrösserung durch Anklicken)

Auszug aus Gygerkarte Abtei Wettingen

Klostermark - Gerichtsherrschaften 1693/94
Aus "Badener Neujahrsblätter", 1952
Von Schleuchzer bis
Michaelis
Zu
Beginn des 18. Jahrhunderts (1712 / 13) gab Johann Jacob
Scheuchzer die berühmt gewordene Schweizerkarte in vier Blättern und
einem ungefähren Massstab von 1:230'000 im Kupferdruck heraus.
Scheuchzers Karte gehört noch der alten Zeit der Kartenmacher an.
Sie war überdies politisch veraltet, da der II. Villmergerkrieg
mit dem Aarauer Frieden (11. August 1712) während des Stiches der
Karte neue
Besitzverhältnisse über die Untertanengebiete schuf, die nicht mehr
berücksichtigt werden konnten.
Eine
wesentliche Verbesserung in der Genauigkeit des Kartenbildes zeichnete
sich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts ab. Der
Fortschritt ging von Frankreich aus, welches in Vermessungstechnik und
Kartenherstellung damals führend war. Der Aargau darf stolz
darauf sein, dass gerade auf seinem Kantonsgebiet die ersten Schritte
zur modernen Vermessung und zu einer gesamtschweizerischen Kartierung
gemacht wurden. An der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert
(1796- 1802) gestaltete der Aarauer Industrielle und Philantrop Johann
Rudolf Meyer (1739-1813) die erste, die ganze Schweiz in einem
einheitlichen und grossen Massstab von ca. 1: 120'000 darstellende
Karte, den Atlas Suisse in 16 Blättern. Auf dieser Karte ist auch
Killwangen eingetragen. Von 1837 bis 1843 wurde der noch junge
Kanton Aargau unter der Leitung von Ernst Heinrich Michaelis erstmals
genau vermessen und kartiert. Die dabei entstandenen 18
handgezeichneten, farbigen Topographischen Blätter im Massstab 1:25'000
dienten in der Folge als Vorlage für die Topographische Karte des
Eidgenössischen Kantons Aargau 1:50'000 und für die Dufourkarte 1: 1
00'000. Um die für Feldarbeiten wertvollen Sommermonate zu
nutzen, hatte Michaelis die eidgenössischen Instruktionen gar nicht
abgewartet, sondern sofort nach der Unterzeichnung seines
Vertrages
mit den Arbeiten begonnen. Im Feld vermass er die Dreiecke,
bestimmte die Höhenwinkel und skizzierte im gleichen Gang die Umgebung.
Die topographische Aufnahme erfolgte, wie allgemein üblich, mit dem
Messtisch und der Kippregel. Der Messtisch ist ein verleimtes
Lindenholzbrett, das auf einem Stativ montiert ist. Die Kippregel
besteht aus einem Fernrohr, das auf einer Säule mit einem Lineal
verbunden ist. Zur Michaeliskarte sind 43 Feldbücher erhalten
geblieben. Darin sind auch Aufzeichnungen von Killwangen zu
finden.

"Atlas Suisse" (1796 - 1802)
Blatt 3.
Der
Topograph fügte die vielen kleinen Bleistiftskizzen der Feldbücher
jeweils möglichst rasch, solange das Erlebnis der Feldaufnahme noch
frisch war, in die Originalzeichnung ein. Er zeichnete das
Kartenbild zuerst mit Bleistift vor, dann erfolgte die Reinzeichnung.
Die
Terrassierung des Geländes von Killwangen ist bis zur Guggermatt klar
ersichtlich. Auch die Endmoräne (Buechbühl) ist schön
modelliert. Dies ist einer der Vorteile der Schraffentechnik.
Im Vergleich mit dem 50 Jahre älteren Atlas Suisse von Meyer ist vor
allem der Wandel von der skizzenhaften und unbestimmten Form zur
exakten, eindeutigen Darstellung eines Objektes
auffallend. Dies kommt auch bei unserem Dorf zum Ausdruck, mit der
schemenhaften, eher zufälligen Anhäufung von wenigen Häusern bei
Meyer gegenüber der genauen, durchaus glaubwürdigen Form bei
Michaelis.
Inhaltlich
war der Wandel von 1800 bis 1840 nicht sehr gross; in Killwangen wurden
z.B. keine neuen Strassen gebaut. Umso auffälliger hat sich aber
seit Michaelis Kartierung unser Landschaftsbild verändert. Sein
Kartenbild hält noch die vor 150 Jahren unberührte, heimatliche Natur
und die einstigen, noch nicht technisierten Formen der Bewirtschaftung
fest - also eine Landschaft, von der wir manchmal träumen.
Quellen: Killwangner Neujahrsblatt
1992, Hans Schädler Karte des Kantons Zürich aus dem Jahr 1667 in 56 Blättern von Hans
Conrad Gyger, Faksimiledruck 1967, Verlag Josef Stocker-Schmid, Dietikon Die Michaelis-Karte des Kantons Aargau 1:50'000
1837-1849
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