Geschichte Killwangen


Die Entstehung des Ortsnamens Killwangen

Aus dem Neujahrsblatt von 1989 der Gemeinde Killwangen

Dorfschild Killwangen

Woher stammt der Ortsname? In den Namen der Dörfer und Weiler des 7. bis 9. Jahrhunderts spiegeln sich oft historische Vorgänge, die sich uns durch keine Pergamenturkunde erschliessen. Daraus ergibt sich, dass die einzelnen Siedlungsnamen nicht für sich allein, sondern in Beziehung zu ihrer Umgebung zu betrachten sind. Falls er sich ohne weiteres deuten lässt - etwa als Zusammensetzung eines bekannten Gattungswortes mit einem alemannischen Personennamen - sagt dies unter Umständen noch nicht viel aus, weil uns das Wirken des fraglichen Alemannen, seiner Sippe und seiner Gefolgschaft dennoch im dunklen bleibt. Dabei spielen auch die topografische Lage des Ortes und die Beschaffenheit seines Bodens eine Rolle.

Die Deutung des Namens "Culliwanch" bereitet Probleme; eine sichere Festlegung wird es wahrscheinlich nie geben. Bei der Nachbargemeinde Neuenhof liegen die Verhältnisse einfacher. Der Name ist in Verbindung mit einer neu entstehenden Siedlung aufgekommen.

Im Limmattal enden die ersten Sippen - und Insassenbezeichnungen (rund 600 nach Christus) in der althochdeutsen Form des Gattungswortes -ingun, heute - ingen. Beispiele sind die Ortsnamen Wettingen, Weiningen, Engstringen usw. Nördlich und südlich der Limmat gibt es jedoch nur einen Ortsnamen mit der Endungen -wangen (-wangun), nähmlich Killwangen.

In seinem Artikel "Beiträge zur Geschichte von Killwangen" (Badener Neujahrsblätter 1985) zitiert Ernst R. Hauri zwei Professoren, die den Ortsnamen mit dem alemannischen Personennamen "Kullo" in Verbindung bringen.

Ich neige eher dazu, die Auslegung von Dr. Hans Kläui zu unterstützen: "Killwangen: ca. 1234 Culliwanch, 1262 Chulewangen, dann Culwangen, Kulwangen, Kulliwangen. Das Gattungswort wang, Dat. lus. wangun, diente im 7. Jahrhundert zur Bildung von Namen meist ansehlicherer Ortschaften. Seine Bedeutung ist "Wiesenhalde, grasiges Gefilde". Der erste Teil dieses Ortsnamens vielleicht zu ahd. kiulla, chiulla "Ranzen, Tasche" (Lehnwort aus lat. culleus "Ledersack, Schlauch").

Was war das für eine Zeit? werfen wir einen kurzen Blick in die allgemeine politische Konstellation jener Zeit. Es war das Zeitalter der Kreuzzüge sowie der Hospiz- und Klostergründungen. Eine grosse Zahl von Frauen- und Männerklöstern bezeugt das damalige tiefreligiöse Leben. Geistlichkeit und Rittertum regen sich kulturell, bestimmen die Kunst, die Lebensführung, die menschliche Haltung des Hochmittelalters.

Die Masse des Volkes besteht aus Bauern, Handwerkern, Dienstboten und Kaufleuten. Freie Bauern sind die Ausnahme. Krämer, Kaufleute und Handwerker werden vor allem in den Städten heimisch. Durch die Dörfer ziehen Bettler und Diebe. Mit dem Bau einer Brücke in der Schöllenenschlucht wird der Gotthard für den Fernverkehr zwischen Mitteleuropa und Italien erschlossen. Die Auseinandersetzungen zwischen Welfen und Staufern lassen in den innerschweizerischen Talschaften die Unabhängigkeit keimen....

 

Gemeindewappen

In unseren Landgemeinden hat sich der Brauch wie auch das Recht, eigene Gemeindesiegel zu führen, erst seit 1803 durchgesetzt. Nur vereinzelt begegnen wir schon im vorausgehenden Jahrfünft der Helvetik ländlichen Gemeindesiegeln. Im Bezirk Baden stammt einzig dasjenige von Wohlenschwil mit dem Bilde Tells und seines Knabens vielleicht aus jener Zeit. Von den Gemeinden Wettingen, Neuenhof, Spreitenbach, Killwangen, Ötlikon und Würenlos, in welchen der Abt von Wettingen Gerichtsherr war, sind uns zwar bereits aus dem 17. Jahrhundert, nämlich auf der 1650-1666 vom Zürcher Kartographen Hans Konrad Gyger geschaffenen Karte der Gerichtsherrschaften Wettingens (Topographia Territorii Marisstellani) und den zwei 1693/94 nach derselben gestochenen verkleinerten Karten, Wappen überliefert. Gelegenheit jedoch, mit diesen Wappen geschmückte Siegel zu führen, hatten die sechs Gemeinden damals sicherlich nicht. Die Wappen sind erst im 19. Jahrhundert von den Gemeinden, mit einigen Änderungen, offiziell als Gemeindewappen angenommen worden. 1811 liess die aargauische Regierung eine umfassende Sammlung von Abdrücken der damals vorhandenen Gemeindesiegel anlegen. Für den Bezirk Baden ist die Sammlung wohl unvollständig, enthält sie doch nur 5 Gemeindesiegel: Baden, Mellingen, Wohlenschwil, Rohrdorf und Birmenstorf, alle mit Wappen oder Wappenbild, ausgenommen Wohlenschwil mit seiner Tellszene. Aus dem Jahre 1827 liegt vom Bezirk Baden wiederum eine Siegelabdrucksammlung vor, die 19 Gemeindesiegel enthält, das heisst ausser den 5 Siegeln von 1811 noch jene von Bellikon-Hausen, Bergdietikon, Büblikon, Ober- und Unterehrendingen, Ennetbaden, Fislisbach, Freienwil, Künten-Sulz, Untersiggenthal, Spreitenbach, Wettingen, Würenlingen und Würenlos. Von ihnen begnügten sich 2 mit wappenlosen Schriftsiegeln und 3 mit dem Kantonswappen. in der dritten, 1872 auf Initiative Augustin Kellers angelegten Sammlung sind nun alle 30 damals bestehenden Gemeinden des Bezirks mit ihren Siegeln vertreten; davon wiesen 3 noch das Kantonswappen auf, 2 eine Kombination von Kantons- und Gemeindewappen und ein blosse Inschrift, die andern aber ihr eigenes, mehr oder Weniger heraldisch gestaltetes Wappenbild. Wohlenschwil war seinem Tellbild treu geblieben.

Im Jahre 1915 orientierte der Historiker Dr. Walther Merz in seiner Arbeit "Die Gemeindewappen des Kantons Aargau" über deren damaligen Bestand und schlug zahlreichen Gemeinden, die ein heraldisch unbefriedigendes oder noch gar kein Wappen besassen, die Verbesserung des bisherigen oder die Annahme eines neuen Wappen vor. Merz drang damit nur teilweise durch. Seit der Bestellung einer Gemeindewappenkommission durch die Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (1945) hat man sich intensiver mit der Bereinigung der Gemeindewappen befasst, seit Ende der 1950er Jahre insbesondere auch im Hinblick auf die geplante Wappenscheibe Felix Hoffmanns für den Lesesaal der Kantonsbibliothek. Diese mühevolle Bereinigungsarbeit ist vorab dank des Einsatzes von Staatsarchivar Nold Halder (+1967) bis 1966 durchgeführt und die Wappenscheibe im selben Jahr eingesetzt worden. 

Das Gemeindewappen von Killwangen

In Rot ein weisser Sparren, im Schildfuss begleitet von weissem sechsstrahligem Stern. - 1872: Schild geteilt von Rot und Gelb, belegt mit blauer Raute, in dieser ein sechsstrahliger (weisser oder gelber) Stern. Die Farben ergeben sich aus den Schraffuren des Siegels. Merz spricht in seinem Gemeindewappenbuch offenbar irrtümlich von einem von Rot und Schwarz (statt Gelb) geteilten Schild und lehnt daher dieses Wappen mit der Raute, das vor dem 19. Jahrhundert nicht bekannt sei, als unheraldisch ab; er schlug dagegen vor, die Raute durch einen Sparren zu ersetzen und als Gemeindewappen von Killwangen in Rot einen weissen Sparren über weissem Stern zu führen. Dieses Wappen hat sich nach 1915 allmählich eingebürgert und wird seit langem offiziell von der Gemeinde geführt, so dass bei der allgemeinen Wappenbereinigung darauf verzichtet wurde, die Rückkehr zum Wappen mit der Raute ernsthaft in Erwägung zu ziehen. In Wirklichkeit ist dieses wesentlich älter als Merz glaubte. Es findet sich nämlich schon auf den Gygerischen Karten der Gerichtsherrschaften des Klosters Wettingen von 1650/66 und 1693/94. Aus der Kolorierung dieser Karten ergeben sich die wohl ursprünglichen Farben des Wappens: obere Schildhälfte rot, untere gelb, Raute blau, Stern gelb.

Altes Gemeindewappen von Killwangen

Eine sicher Erklärung lässt sich auch für dieses Wappen nicht geben; der Stern mag auf das nahe Kloster Wettingen, den einstigen Gerichtsherrn von Killwangen, hindeuten. Auf der Gemeindekanzlei erinnerte man sich 1872 noch, das ein Konventual von Wettingen seinerzeit der Gemeinde die Kenntnis dieses Wappens vermittelt habe.

culliwanch
Gedenktafel am Spycher an die 750 Jahr Feier mit dem alten und neuen Wappen 1984

Auch in der heutigen Zeit sind jedoch die Diskussionen im Dorf betreffend der Farbe des Sternes im Wappen noch nicht ganz verstummt. Noch 1995 liess zum Beispiel der Turnverein ein Wimpel mit Gemeindewappen dargestellt mit gelbem Stern herstellen. Auch auf dem alten Turnverein-Fahnen sowie auf dem Fahnen des Schützenvereins ist der Stern gelb dargestellt. Nach zahlreichen Diskussionen einigte man sich anlässlich des 75 Jahre Jubiläums des Turnvereines aber dann doch auf die offizielle Variante mit dem weissen Stern auf der neuen Vereinsfahne. Gerüchte kursieren, dass die Killwanger den Stern nur weiss eingefärbt haben, damit die Drucksachen günstiger kommen........

TV und Jugi Fahnen Killwangen

Fahne von 1969

Wimpel Turnverein

Wimpel von 1995

Turnverein-Fahnen Killwangen

Neue Fahne von 2003

 

Quelle:
1. Neujahrsblatt 
Gemeinde Killwangen

Die Gemeindewappen des Bezirks Baden, Georg Boner