Seit
jeher haben wir Menschen den Wunsch und das Bedürfnis, zueinander
Verbindung aufzunehmen und untereinander Nachrichten auszutauschen.
Die Post erfüllt dieses menschliche Grundbedürfnis in organisierter
Form - darum ist ihre Geschichte voller Abenteuer, Leben und Romantik.
Die Post ermöglicht seit jeher Kommunikation trotz räumlicher Distanz,
sie trägt auch dazu bei, Einsamkeit und Isolation zu durchbrechen. Ihre
Spuren zu verfolgen ist nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltend
und interessant.
Zwischen
den Siedlungen der keltischen und rätischen Stämme, die seit Mitte des
1. Jahrtausends v. Chr. im Gebiet der späteren Schweiz ansässig waren,
mag es bereits eine primitive Form des Nachrichtenaustausches gegeben
haben. Allerdings fehlen urkundliche Dokumente oder Hinweise,
welche Botenläufe oder gar die Existenz einer Nachrichtenorganisation
zu belegen vermochten.
Ein
reger, verbürgter Nachrichtenaustausch herrschte erst im Römischen
Reich, das seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. nach Norden drängte.
Die von den Römern erstellten Fahrstrassen, zweifellos vor allem nach
machtpolltischen und militärischen Gesichtspunkten geplant, dienten
vorwiegend dem schnellen Transitverkehr. Auf ihnen reisten Beamte,
vornehme Bürger, Soldaten, Kaufleute sowie berittene Kuriere,
Reise- und Lastwagen der Reichspost. Unter der Herrschaft von Cäsars
Adoptivsohn Octavian, welcher als Kaiser Augustus von 29 v. Chr. bis 14
n.Chr. das Römische Reich regierte, entstand die straff gelenkte
Reichspost, der Cursus publicus. Diese neue Postorganisation
bedeutete eine historische Wende im Verkehrswesen Roms und zählte,
zusammen mit den Reichsstrassen, zu den Spitzenleistungen der Antike.
Das heutige Gemeindegebiet von Killwangen lag an der römischen
Heerstrasse (Karrenweg) für Fernverkehr von Aquae Helveticae nach
Turicum, so dass es auch durch den Cursus publicus berührt wurde.
In
der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte das mittlerweile
von den städtischen Kaufleuten getragene und organisierte Postwesen der
Schweiz einen hohen Stand erreicht und den meisten Kantonen gute
Briefverbindungen geboten. In dieser ruhigen, selbstzufriedenen
Stimmung ging Bern postalisch in die Offensive: Am 27. September
1675 richten die Gnädigen Herren von Bern einen Brief an die «Lieben
Miteidgenossen» der anderen Stände. Darin verkündet die stolze
Republik ihr soeben zum Gesetz erhobenes «hohe Postregal, so weit
unsere Bottmässigkeit sich erstreckt", und gibt bekannt, sie habe
dieses «Ihrem lieben Bürger Beat Fischer und Mithaften übergeben.»
Bern wurde damit zur Postmetropole der Eidgenossenschaft.
Im
18. Jahrhundert wurde Killwangen Zeuge der Aufnahme eines
bescheidenen Postwagenverkehrs. Unser Dorf lag an der 1776 eröffneten
Linie Zürich - Baden - Mellingen -
Lenzburg - Aarau -Olten - Unterer Hauenstein - Basel. Ab 1812 gab
es nach Basel und Bern bereits fünf
Postwagen pro Woche. Ferner fuhren
schon ein- und zweispännige Postchaisen von Zürich nach Baden (dreimal
pro Woche).
In
dieser Zeit wurde noch immer ein Brücken- und Wegzoll erhoben. Im
Kanton Zürich handelte es sich dabei um eine reine Fiskalabgabe.
Der Staat verpachtete diese um ein festes Entgelt an Private wobei der Pächter,
je nach dem Geschäftsgang, ein gutes oder schlechtes Geschäft machte.
Zur Pacht gehörten u.a. die Zoll-Einnahmen bei der gedeckten Reppischbrücke
in Dietikon, die als Eingangsstrasse aus dem Aargau über Baden
besonders lukrativ war. Über die Höhe der Gebühren gibt die
Buchhaltung einigermassen Auskunft. Fuhrhalter und
Transportanstalten bezahlten die Zölle vierteljährlich und besassen
jeweils ein Konto. Hier finden wir als guten Kunden auch den
Rindenhändler Würsch aus Killwangen. Er bezahlte pro Fuhre einen
Gulden und rechnete ebenfalls vierteljährlich ab. Die dicken
Folianten geben Auskunft über interessante Reisegruppen die folglich
auch Killwangen passiert haben:

"Handschriftliches"
von Posthalter und Briefträger Alfred Widmer
5.
Juni 1843: Gottlieb Binder von Aussersihl laut einem vom Oberst L.
Denzler vorgewiesenen Schein für eine vierspännige Kanonenkugelfuhre
nach Thun, 30 sh.
22.
September 1843: Baron Bruderer, russische Gesandtschaft, zweispännig
unbezahlt bis Zürich, 10 sh.
20.
Januar 1844: Ein Müllifuhrmann von Waldshut dreispännig bis Zürich
und im Rückweg angegeben, er komme von Winterthur.
19.
September 1844: Nachts ein mir wohlbekannter Kutscher mit zwei schwarzen
Pferden, retour leer von Zürich kommend, unbezahlt durchgesprengt.
Den 13. Oktober bezahlt. Sein Kamerad mit drei Schimmeln
wollte es ebenso machen, allein ich hielt ihm die Pferde. Da schlug er
mit dem Geisselsteck auf mich zu, weswegen ich selbe in Verwahrung nahm.
17.
Februar 1845: Abends 1/2 4 Uhr ein dreispänniger Schlitten von Zürich,
zürcher Reputatschaft, Burgermeister Zehnder ohne Standesfarb.
20.
Februar 1845: Obige Herren zurück, 30 sh.
24.
Februar 1845: Vierspännig sardinische Gesandtschaft, 20 sh.
4.
März 1845: Preussische Gesandtschaft, 30 sh.
5.
März 1845: Zwei Chaisen von Zürich, Herren mit
eidgenössischer
Armbinde, 10 sh.
17.
Januar 1845: Zwei Reisewagen von Zürich, Madame Gonzenbach, 10 sh
4.
September 1847: Holländischer Generalkonsul; zweispännig von Zürich,
10 sh.
Mit
der Eröffnung der «Spanischbrötli-Bahn»
Zürich-Baden am 7. August 1847 fand eine völlige Umwälzung im Beförderungswesen
statt. Der Verkehr auf der Strasse nahm stark ab und damit auch
die Zolleinnahmen. Mit der Übernahme des Postwesens durch den
Bund (l. 1. 1849) wurden im gleichen Jahr die Binnenzölle aufgehoben.
Das Postregal wurde im Gegensatz zur Praxis in vielen Kantonalposten auf
den ganzen Bereich der fahrplanmässigen Personenbeförderungen
ausgedehnt und überliess dem Bundesrat das Recht, besondere
Konzessionen an Eisenbahnen, Schiffe oder Fuhrwerke zu erteilen.
Auch die Zuleitung und die Spedition der Postsachen durch die
Postkutschen erfuhr eine radikale Aenderung. Die Postkurse durch
das Limmattal verschwanden und der Verkehr verlagerte sich vollständig
auf die Schienen. Die Postbeamten von
Baden
und Zürich erlebten die neuartige Zusammenarbeit von Bahn und Post.
Bevor
in Killwangen eine Postablage eingerichtet wurde, gab es schon die Möglichkeit,
durch Boten der Gemeinde Briefe und andere Gegenstände befördern zu
lassen. Am 1. April 1854 begann jedoch die eigentliche Killwanger
Postgeschichte. An diesem Tag nahm Philipp Widmer seine Tätigkeit
als Ablagehalter auf Die erste Postablage wurde in einem kleinen
Hinterzimmer des Restaurants Schwyzerhüsli eingerichtet.
Philipp
Widmer war eine faszinierende Persönlichkeit. Aus alten
Protokollen geht hervor, dass er ein brillanter, sprachbegabter
Rhetoriker war, dem seitens des Arbeitgebers grosse Pflichttreue,
Ordnungsliebe und gute Rechnungsführung attestiert wurden. Der
weltoffene Philipp Widmer schaffte sich gute Beziehungen - u. a. zählte
der «Eisenbahnkönig» Alfred Escher zu seinen Bekannten., Widmer war
auch während vielen Jahren Bezirksrichter. Als Gemeindeammann
(1850-1867) war er sehr besorgt um das Wohl der Gemeinde. In
seiner beruflichen Tätigkeit erlebte er die Geburt der «beiden T», nämlich
den Telegraf (1852) und das Telefon (1882), was die Post zur heute uns
allen vertrauten PTT gemacht hat.
Die
Ablagen, anfänglich noch alle nicht rechnungspflichtig, waren im
Rechnungswesen ganz vom Postamt abhängig, dem sie unterstellt waren und
standen nur mit diesem im Sendungswechsel. Auf den 1. 1. 1888
wurden alle an Eisenbahnlinien gelegenen Ablagen rechnungspflichtig.
Diese Mehrarbeit brachte dem Ablagehalter in Killwangen eine Jahresaufbesserung
von Fr. 60.-. Als erster Ablagehalter bezog Philipp Widmer übrigens
beim Stellenantritt eine Jahresbesoldung von Fr. 52.(Fr. 1.- pro
Woche!). Bei seinem Tod (1904) betrug das Jahresgehalt Fr.
l'000.-. Sein Sohn Albert (geb. 1859) musste sich beim Amtsantritt am 1.
Oktober 1904 als Ablagehalter und Briefträger mit einem Jahresgehalt
von Fr. 800.- zufrieden geben. Am 1. April 1924 wurde er zum
Posthalter befördert. Albert Widmer starb am 22. Februar
1935 an einem Herzschlag. Sein Nachfolger und Schwiegersohn,
Hermann Küng-Widmer, geb. 1900, nahm seine Tätigkeit am 1. Juni 1935
auf.

Posthalter Albert Widmer mit seiner
Familie (Foto zVg von Frieda Wimder)
Weitere
wichtige Daten aus der lokalen Postgeschichte:
Auf
den 3. 1. 1933 wird der Mittags-Postautokurs von Baden BBC nach Neuenhof
bis zur Station Killwangen ausgedehnt. Der Reiseposttarif beträgt
1 0 Rappen pro km.
Im
Zusammenhang mit der Zustelldienstkontrolle vom 11.11.1954 wird der
Sennenberg nur noch einmal täglich bedient.
Am
7. 9. 1959 wird das Gebiet Hasel und Gyrhalden, welches zur politischen
Gemeinde Spreitenbach gehört, von Killwangen abgetrennt und der Post
Spreitenbach übertragen.
1961
wird eine Briefbotenstelle geschaffen.
1.9.1963:
Hermann Küng-Widmer geht vorzeitig in
Pension.
Am
1. 1. 1964 tritt Giuseppe Galfetti-Mäder sein
Amt
als Posthalter von Killwangen an.

über 30 Jahre als Posthalter in
Killwangen tätig: Giuseppe Galfetti mit seiner Ehefrau Yvonne (Foto: E.
Schädler)
Zur
750-Jahrfeier erhält Killwangen erstmals einen Sonderstempel, der bei
der Bevölkerung und bei den Philatelisten gute Aufnahme findet.

Damit
lag die Verantwortung für die Post Killwangen während 140 Jahren auf
den Schultern von lediglich vier Beamten. Vier Persönlichkeiten haben
in all diesen Jahren die hohen Anforderungen erfüllt, die unsere Post
kennzeichnet:
Schnelligkeit,
hohe Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit.

Pressemitteilungen Betreffend der Post Killwangen:
10.11.2005
Wenn der Postbote zum letzten Mal klingelt
>>
Interessante zusätzliche
Informationen:
Die
Geschichte der Post
http://www.killwangen.ch/infos/post.htm
http://www.post.ch
Quellen:
Killwangner Neujahrsblatt
1998, Hans Schädler
A. Wyss, Die Post in der
Schweiz, 1987
Neujahrsblatt von Dietikon,
1950