Geschichte Killwangen

 Killwangen AG

Die Entstehung des Ortsnamens Killwangen >>
 

Die Killwanger Postgeschichte beginnt 1854

aus dem Neujahrsblatt der Gemeinde Killwangen 1994, 6.Jahrgang, Hans Schädler

Seit jeher haben wir Menschen den Wunsch und das Bedürfnis, zueinander Verbindung aufzunehmen und untereinander Nachrichten auszutauschen.  Die Post erfüllt dieses menschliche Grundbedürfnis in organisierter Form - darum ist ihre Geschichte voller Abenteuer, Leben und Romantik.  Die Post ermöglicht seit jeher Kommunikation trotz räumlicher Distanz, sie trägt auch dazu bei, Einsamkeit und Isolation zu durchbrechen. Ihre Spuren zu verfolgen ist nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltend und interessant.

Zwischen den Siedlungen der keltischen und rätischen Stämme, die seit Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. im Gebiet der späteren Schweiz ansässig waren, mag es bereits eine primitive Form des Nachrichtenaustausches gegeben haben.  Allerdings fehlen urkundliche Dokumente oder Hinweise, welche Botenläufe oder gar die Existenz einer Nachrichtenorganisation zu belegen vermochten.

Ein reger, verbürgter Nachrichtenaustausch herrschte erst im Römischen Reich, das seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. nach Norden drängte.  Die von den Römern erstellten Fahrstrassen, zweifellos vor allem nach machtpolltischen und militärischen Gesichtspunkten geplant, dienten vorwiegend dem schnellen Transitverkehr.  Auf ihnen reisten Beamte, vornehme Bürger, Soldaten, Kaufleute sowie berittene Kuriere, Reise- und Lastwagen der Reichspost.  Unter der Herrschaft von Cäsars Adoptivsohn Octavian, welcher als Kaiser Augustus von 29 v. Chr. bis 14 n.Chr. das Römische Reich regierte, entstand die straff gelenkte Reichspost, der Cursus publicus.  Diese neue Postorganisation bedeutete eine historische Wende im Verkehrswesen Roms und zählte, zusammen mit den Reichsstrassen, zu den Spitzenleistungen der Antike.  Das heutige Gemeindegebiet von Killwangen lag an der römischen Heerstrasse (Karrenweg) für Fernverkehr von Aquae Helveticae nach Turicum, so dass es auch durch den Cursus publicus berührt wurde.

In der zweiten Hälfte des 17.  Jahrhunderts hatte das mittlerweile von den städtischen Kaufleuten getragene und organisierte Postwesen der Schweiz einen hohen Stand erreicht und den meisten Kantonen gute Briefverbindungen geboten.  In dieser ruhigen, selbstzufriedenen Stimmung ging Bern postalisch in die Offensive: Am 27.  September 1675 richten die Gnädigen Herren von Bern einen Brief an die «Lieben Miteidgenossen» der anderen Stände.  Darin verkündet die stolze Republik ihr soeben zum Gesetz erhobenes «hohe Postregal, so weit unsere Bottmässigkeit sich erstreckt", und gibt bekannt, sie habe dieses «Ihrem lieben Bürger Beat Fischer und Mithaften übergeben.» Bern wurde damit zur Postmetropole der Eidgenossenschaft.

Im 18.  Jahrhundert wurde Killwangen Zeuge der Aufnahme eines bescheidenen Postwagenverkehrs.  Unser Dorf lag an der 1776 eröffneten Linie Zürich - Baden - Mellingen - Lenzburg - Aarau -Olten - Unterer Hauenstein - Basel.  Ab 1812 gab es nach Basel und Bern bereits fünf Postwagen pro Woche. Ferner fuhren schon ein- und zweispännige Postchaisen von Zürich nach Baden (dreimal pro Woche).

In dieser Zeit wurde noch immer ein Brücken- und Wegzoll erhoben.  Im Kanton Zürich handelte es sich dabei um eine reine Fiskalabgabe.  Der Staat verpachtete diese um ein festes Entgelt an Private wobei der Pächter, je nach dem Geschäftsgang, ein gutes oder schlechtes Geschäft machte.  Zur Pacht gehörten u.a. die Zoll-Einnahmen bei der gedeckten Reppischbrücke in Dietikon, die als Eingangsstrasse aus dem Aargau über Baden besonders lukrativ war. Über die Höhe der Gebühren gibt die Buchhaltung einigermassen Auskunft.  Fuhrhalter und Transportanstalten bezahlten die Zölle vierteljährlich und besassen jeweils ein Konto.  Hier finden wir als guten Kunden auch den Rindenhändler Würsch aus Killwangen.  Er bezahlte pro Fuhre einen Gulden und rechnete ebenfalls vierteljährlich ab.  Die dicken Folianten geben Auskunft über interessante Reisegruppen die folglich auch Killwangen passiert haben:

 Sonderbrief.jpg (92229 Byte)
"Handschriftliches" von Posthalter und Briefträger Alfred Widmer

5. Juni 1843: Gottlieb Binder von Aussersihl laut einem vom Oberst L. Denzler vorgewiesenen Schein für eine vierspännige Kanonenkugelfuhre nach Thun, 30 sh.

22. September 1843: Baron Bruderer, russische Gesandtschaft, zweispännig unbezahlt bis Zürich, 10 sh.

20. Januar 1844: Ein Müllifuhrmann von Waldshut dreispännig bis Zürich und im Rückweg angegeben, er komme von Winterthur.

19. September 1844: Nachts ein mir wohlbekannter Kutscher mit zwei schwarzen Pferden, retour leer von Zürich kommend, unbezahlt durchgesprengt.  Den 13.  Oktober bezahlt.  Sein Kamerad mit drei Schimmeln wollte es ebenso machen, allein ich hielt ihm die Pferde. Da schlug er mit dem Geisselsteck auf mich zu, weswegen ich selbe in Verwahrung nahm.

17. Februar 1845: Abends 1/2 4 Uhr ein dreispänniger Schlitten von Zürich, zürcher Reputatschaft, Burgermeister Zehnder ohne Standesfarb.

20. Februar 1845: Obige Herren zurück, 30 sh.

24. Februar 1845: Vierspännig sardinische Gesandtschaft, 20 sh.

4. März 1845: Preussische Gesandtschaft, 30 sh.

5. März 1845: Zwei Chaisen von Zürich, Herren mit eidgenössischer Armbinde, 10 sh.

17. Januar 1845: Zwei Reisewagen von Zürich, Madame Gonzenbach, 10 sh

4. September 1847: Holländischer Generalkonsul; zweispännig von Zürich, 10 sh.

Mit der Eröffnung der «Spanischbrötli-Bahn» Zürich-Baden am 7. August 1847 fand eine völlige Umwälzung im Beförderungswesen statt.  Der Verkehr auf der Strasse nahm stark ab und damit auch die Zolleinnahmen.  Mit der Übernahme des Postwesens durch den Bund (l. 1. 1849) wurden im gleichen Jahr die Binnenzölle aufgehoben.  Das Postregal wurde im Gegensatz zur Praxis in vielen Kantonalposten auf den ganzen Bereich der fahrplanmässigen Personenbeförderungen ausgedehnt und überliess dem Bundesrat das Recht, besondere Konzessionen an Eisenbahnen, Schiffe oder Fuhrwerke zu erteilen.  Auch die Zuleitung und die Spedition der Postsachen durch die Postkutschen erfuhr eine radikale Aenderung.  Die Postkurse durch das Limmattal verschwanden und der Verkehr verlagerte sich vollständig auf die Schienen.  Die Postbeamten von Baden und Zürich erlebten die neuartige Zusammenarbeit von Bahn und Post. 

Bevor in Killwangen eine Postablage eingerichtet wurde, gab es schon die Möglichkeit, durch Boten der Gemeinde Briefe und andere Gegenstände befördern zu lassen.  Am 1. April 1854 begann jedoch die eigentliche Killwanger Postgeschichte.  An diesem Tag nahm Philipp Widmer seine Tätigkeit als Ablagehalter auf Die erste Postablage wurde in einem kleinen Hinterzimmer des Restaurants Schwyzerhüsli eingerichtet.

Philipp Widmer war eine faszinierende Persönlichkeit.  Aus alten Protokollen geht hervor, dass er ein brillanter, sprachbegabter Rhetoriker war, dem seitens des Arbeitgebers grosse Pflichttreue, Ordnungsliebe und gute Rechnungsführung attestiert wurden.  Der weltoffene Philipp Widmer schaffte sich gute Beziehungen - u. a. zählte der «Eisenbahnkönig» Alfred Escher zu seinen Bekannten., Widmer war auch während vielen Jahren Bezirksrichter.  Als Gemeindeammann (1850-1867) war er sehr besorgt um das Wohl der Gemeinde.  In seiner beruflichen Tätigkeit erlebte er die Geburt der «beiden T», nämlich den Telegraf (1852) und das Telefon (1882), was die Post zur heute uns allen vertrauten PTT gemacht hat.

Die Ablagen, anfänglich noch alle nicht rechnungspflichtig, waren im Rechnungswesen ganz vom Postamt abhängig, dem sie unterstellt waren und standen nur mit diesem im Sendungswechsel.  Auf den 1. 1. 1888 wurden alle an Eisenbahnlinien gelegenen Ablagen rechnungspflichtig.  Diese Mehrarbeit brachte dem Ablagehalter in Killwangen eine Jahresaufbesserung von Fr. 60.-. Als erster Ablagehalter bezog Philipp Widmer übrigens beim Stellenantritt eine Jahresbesoldung von Fr. 52.(Fr. 1.- pro Woche!).  Bei seinem Tod (1904) betrug das Jahresgehalt Fr. l'000.-. Sein Sohn Albert (geb. 1859) musste sich beim Amtsantritt am 1. Oktober 1904 als Ablagehalter und Briefträger mit einem Jahresgehalt von Fr. 800.- zufrieden geben.  Am 1. April 1924 wurde er zum Posthalter befördert.  Albert Widmer starb am 22.  Februar 1935 an einem Herzschlag.  Sein Nachfolger und Schwiegersohn, Hermann Küng-Widmer, geb. 1900, nahm seine Tätigkeit am 1. Juni 1935 auf.

altePost.jpg
Posthalter Albert Widmer mit seiner Familie (Foto zVg von Frieda Wimder)

Weitere wichtige Daten aus der lokalen Postgeschichte:

Auf den 3. 1. 1933 wird der Mittags-Postautokurs von Baden BBC nach Neuenhof bis zur Station Killwangen ausgedehnt.  Der Reiseposttarif beträgt 1 0 Rappen pro km.

Im Zusammenhang mit der Zustelldienstkontrolle vom 11.11.1954 wird der Sennenberg nur noch einmal täglich bedient.

Am 7. 9. 1959 wird das Gebiet Hasel und Gyrhalden, welches zur politischen Gemeinde Spreitenbach gehört, von Killwangen abgetrennt und der Post Spreitenbach übertragen.

1961 wird eine Briefbotenstelle geschaffen.

1.9.1963: Hermann Küng-Widmer geht vorzeitig in Pension.

Am  1. 1. 1964 tritt Giuseppe Galfetti-Mäder sein Amt als Posthalter von Killwangen an.

Galfetti.jpg (161003 Byte)
über 30 Jahre als Posthalter in Killwangen tätig: Giuseppe Galfetti mit seiner Ehefrau Yvonne (Foto: E. Schädler)

Zur 750-Jahrfeier erhält Killwangen erstmals einen Sonderstempel, der bei der Bevölkerung und bei den Philatelisten gute Aufnahme findet.

Damit lag die Verantwortung für die Post Killwangen während 140 Jahren auf den Schultern von lediglich vier Beamten.  Vier Persönlichkeiten haben in all diesen Jahren die hohen Anforderungen erfüllt, die unsere Post kennzeichnet:

Schnelligkeit, hohe Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit.

 

 

Pressemitteilungen Betreffend der Post Killwangen:

10.11.2005 Wenn der Postbote zum letzten Mal klingelt >>

 

Interessante zusätzliche Informationen:

Die Geschichte der Post 

http://www.killwangen.ch/infos/post.htm

http://www.post.ch

Quellen:

Killwangner Neujahrsblatt 1998, Hans Schädler
A. Wyss, Die Post in der Schweiz, 1987
Neujahrsblatt von Dietikon, 1950

 


Urkunde1234

Urkunde von 1234 >>
 


Wasser

Wasser - auch in Killwangen ein Kostbares Gut >>
 


Von der Kapelle zur Kirchgemeinde >>
 

Unser Wald

Lebensraum Wald >>
 

Flurnamen

Flurnamen und derer Bedeutung >>

Sport

Sportliches Killwangen >>

Alte Landkarten

Killwangen auf alten Landkarten >>


Volkszaehlung

Volkszählungen, einst und heute >>
 

Killwangen im Krieg

Killwangen in Kriegsjahren >>

Bundesversammlung Aarau

Killwangen im Kanton Baden >>

Reben

Von bewegten Zeiten und saurem Wein >>

Wandmalereien

Alte Wandmalereien aus Killwangen >>


Alte Häuser

Alte Häuser >>
 


Bauern

Arme Buren und böser Wein >>
 

Limmatbrücke

Die Limmatbrücke >>

Spanisch Brötli Bahn

Bahngeschichte >>


Sonderstempel 750 Jahre Killwangen

Postgeschichte >>
 

 

Quellenverzeichnis >>