5.
Dezember 2000 - Tag der Volkszählung
Wo
wohnten Sie vor fünf Jahren?
In welcher Sprache denken Sie?
Wie viel Zeit wenden Sie für den Arbeitsweg auf? Wie viele
Zimmer hat Ihre Wohnung, und in welchem Stockwerk befindet sie sich?
Solche und viele andere Fragen müssen Personen, die in der
Schweiz wohnen, am 5. Dezember 2000 beantworten.
Drei Fragebogen gilt es für die Volkszählung auszufüllen: den
Personenfragebogen für jeden Einwohner, jede Einwohnerin, den
Haushaltsfragebogen pro Wohnung und den Gebäudefragebogen für
Hauseigentümer.
Die
staatliche Fragerei wird in der Bevölkerung gemeinhin als lästig und
als Einmischung in die Privatsphäre empfunden.
In Fachkreisen wird jedoch anerkannt, dass die Volksbefragung der
Schweiz wahrhaft grundlegende Daten liefert und eine unentbehrliche
Informationsquelle darstellt.
Nicht nur dient sie dem Bund und der grossen Mehrzahl der Kantone
zur Festlegung der Parlamentssitze nach Kantonen und Wahlkreisen.
Die erhobenen demographischen, sozioökonomischen und kulturellen
Grunddaten fliessen auch in Planungen und Entscheidungen der
Wirtschaftspolitik, der Raumordnungs- und Regionalpolitik, der Wohnungs-
und Verkehrspolitik, der Bildungs- und Sozialpolitik ein.
Zählungen
in frühester Zeit
Primitive
Einwohner- und Feuerstättenzählungen sind
in
recht früher Zeit vorgenommen worden. Im Altertum
gab es Volkszählungen schon bei Chinesen, Ägyptern und Juden (2.
Buch Samuel, 24, 1 - 1 0). Die Bürgerlisten in Griechenland, der Census in Rom stellten
ebenfalls eine Art Volkszählung dar.
Über
die Grösse der Killwanger Bevölkerung im Spätmittelalter gibt es
keine gesicherten Angaben.
Erst die «Gygerkarte»
von 1667 zeigt in etwa die Lage und Einteilung unseres Dorfes in der
Mitte des 17.
Jahrhunderts mit insgesamt 16 Gebäuden.
Hans Conrad Gyger zeichnete diese jeweils willkürlich in die
Karte, so dass man sich weder auf deren Anzahl noch auf die genaue Lage
und Grösse verlassen und daraus auch keine Einwohnerzahl ableiten kann.
Mehr Aufschluss geben die Güter- und Mannschaftsrödel.
Um 1670 bildeten 76 Personen eine Siedlung - von Dorf
kann
man wohl noch nicht sprechen.
Diese Zahl stieg nur unmerklich an.
Wir können aber doch davon ausgehen, dass zwischen 1717 und 1725
erstmals 100 Menschen in diesem beschaulichen Dörfchen wohnten.
Aus
der «General-Tabell» der Grafschaft Baden von 1778 gehen 9 Häuser, 18
Stuben, und 15 Haushalte mit insgesamt 90 Einwohnern hervor.
Die 7 Bewohner von St. Viktor wurden in der Tabelle separat
aufgeführt.
|
St.
Viktor |
Killwangen |
|
Männer |
2 |
16 |
|
Söhne
über 16 |
- |
13 |
|
Söhne
unter 16 |
1 |
13 |
|
Frauen |
1 |
16 |
|
Töchter
über 16 |
2 |
8 |
|
Töchter
unter 16 |
1 |
14 |
|
Knechte |
|
3 |
|
Mägde |
|
1 |
|
Abwesend
Männer |
|
3 |
|
Abwesend
Frauen |
|
3 |
Der
Viehbestand wurde Ebenfalls ermittelt:
|
Grossvieh |
Kleinvieh |
|
17
Stiere |
22
Schweine |
|
23
Kühe |
4
Ziegen |
|
8
Kälber |
1
Huhn |
|
1
Hengst |
|
Der
Milchbedarf konnte damit wohl knapp gedeckt werden, zumal die Kühe aus
verschiedenen Gründen damals viel weniger Milch gaben als heute.
Die
helvetische Zählung von 1798/99
Die
Männer, welche die Helvetische Republik gestalteten, hatten anfänglich
keine genauen Vorstellungen, wie viele Menschen in den einzelnen Ortschaften
wohnten.
Wie sollte man die Grenzen legen, damit alle Distrikte ungefähr
gleich gross würden?
Wie viele Stellungspflichtige konnte man von jeder Gemeinde
verlangen?
Die
Helvetische Volkszählung von 1798/99 sollte unter anderem Hilfe bei der
Gebietseinteilung bieten. Daneben diente sie der Erfassung der
politischen Gemeinden, der definitiven Festlegung der Ortsnamen, und natürlich
sollte sie die Einwohnerzahl ermitteln.
Allerdings
ist auch diese Zählung von Makeln nicht frei. So erstreckte sie sich über
mehrere Monate ins Jahr 1799 hinein, fand also nicht an einem Stichtag
statt wie jede moderne Zählung. Es ist zudem fraglich, ob alle
gesellschaftlichen Gruppen wie etwa die Nichtsesshaften mitgezählt
wurden. Auch widerspiegelt sich in den Ergebnissen die politische
und gesellschaftliche Ausgrenzung der Juden: Ihre Zahl wurde nicht
erhoben. Allein diese Ungenauigkeit hat zur Folge, dass die ermittelte
Bevölkerungszahl des helvetischen Kantons Baden um etwa zwei Prozent
unter dem tatsächlichen Wert liegt.
In
Killwangen wurden 9 Wohnhäuser und 119 Einwohner gezählt.

Volkszählungen
in rascher Folge
Sofort
nach Errichtung des Kantons Aargau liess die Regierung im Mai 1803
erneut zählen.
Man besass ja trotz der helvetischen Volkszählung keine
einheitlichen Daten über das neue Kantonsgebiet.
Die neue Zählung sollte die Grundlage für die Einteilung der
Bezirke in (Wahl-)Kreise bilden.
Einige Zählkategorien des Fragebogens waren jedoch ungenau
definiert.
Sollten unter «Häuser» etwa nur die Wohnhäuser oder alle Gebäude
gezählt werden? 1803 wurden in Killwangen noch immer 9 Häuser und 21
Haushalte registriert, in denen 125 Personen (65 Männer, 60 Frauen)
lebten. 40 Männer und 36 Frauen waren ledig, 25 Männer und 24 Frauen
verheiratet.
Als Dienstboten bezeichnet wurden 1 Mann und 2 Frauen.
Als abwesend galten 5 Männer und 9 Frauen.
1831
und 1837 wurden weitere Volkszählungen durchgeführt. 1837 zählte die
Gemeinde 193 Einwohner
(118 Männer, 75 Frauen).
Interessanterweise waren alle Einwohner - bis auf 3 Männer -
Kantonsbürger.
Diese 3 Männer galten in der Gemeinde als «andere Schweizer»!

Schulklasse
Killwangen 1894
Die
eidgenössischen Volkszählungen
Wegen
der geschilderten Unsicherheiten und Fehler lassen sich die Zahlen aus
statistischen Erhebungen des 18. und des frühen 19.
Jahrhunderts nur bedingt mit jenen der späteren eidgenössischen
Volkszählungen vergleichen.
Die Mängel verschwanden erst, als sich Mitte des 19.
Jahrhunderts die Statistik zu einer wissenschaftlichen Disziplin
ausbildete.
Nun wurden die Zahlen zumeist nach standardisierten Kriterien
erhoben, womit sie untereinander weitgehend vergleichbar sind.
Unter der Ägide des jungen Bundesstaates führten die Kantone
1850 erstmals eine Volkszählung nach heutigem Begriff durch.
Für
Killwangen ergaben sich folgende aufschlussreiche Zahlen:
|
Einwohner |
|
|
Männlich |
105 |
|
Weiblich |
77 |
|
Total |
182 |
|
Konfession |
|
|
Katholiken |
136 |
|
Protestanten |
46 |
|
Herkunft |
|
|
Gemeindebürger |
156 |
|
Andere Kantonsbürger |
21 |
|
Bürger anderer Kantone |
5 |
|
Heimatlose |
- |
|
Ausländer |
- |
|
|
|
Haushaltungen |
30 |
|
Grundeigentümer |
44 |
|
|
| Abwesende ausserhalb der Schweiz |
|
| Männlich |
3 |
| Weiblich |
2 |
Ein
Bundesgesetz legte 1860 fest, dass die eidgenössischen Volkszählungen
fortan im Rhythmus von zehn Jahren stattfinden sollten.
Die Kantone waren damit von der Durchführung eigener Zählungen
entbunden.
Bisher wurde zweimal vom Rhythmus abgewichen.
Die Zählung von 1890 wurde wegen der Neueinteilung von
Wahlkreisen für die Nationalratswahlen
von 1890 auf 1888 vorgezogen, jene von 1940 wegen der Kriegsmobilmachung
auf 1941 verschoben.
Aus
den eidgenössischen Volkszählungen von 1860 bis 1990 ist die
Entwicklung von Killwangen ersichtlich:
1860
160
1870
202
1880
197
1888
213
1900
306
1910
400
1920
339
1930
439
1941
482
1950
597
1960
802
1970
842
1980
1'041
1990
1'328
2000
1'398
Am
25. Juli 1974 wurde der l'000. Einwohner gefeiert. Am 30.
November 1999 zählte Killwangen l'376 Einwohner und am 11. Februar 2003
konnte die 1'500 Einwohnerin in Killwangen begrüsst werden.
Die
1500. Einwohnerin Killwangens ist eine Rückkehrerin
>>
Die
Volkszählung 2000 ist eine Übergangslösung
Die
Volksbefragung im Jahr 2000 stellt eine Übergangslösung dar. Sie ist
Wegbereiterin für den Methodenwechsel, der bis zur Volkszählung 2010
stattfinden soll. Dann nämlich soll der Fragebogen nur noch
eingesetzt werden, um spezielle Daten in Erfahrung Zu bringen die nicht
registriert sind (wie etwa Pendlermobilität und Ausbildungsniveau).
Alle anderen Informationen sollen den Registern entnommen werden.
Voraussetzung für diesen Systemwechsel ist allerdings, dass die
kantonalen und kommunalen Register
schweizweit nach denselben Grundsätzen geführt werden. Davon ist man heute jedoch weit entfernt.
Das
neue Volkszählungsgesetz statuiert auch ein Nachteilsverbot: wer
korrekt Auskunft gibt, wie es von ihm verlangt wird, dem dürfen keine
Nachteile erwachsen.
So darf eine Gemeinde keine Busse aussprechen, wenn sie aufgrund
des Fragebogens entdeckt, dass sich jemand nicht fristgerecht angemeldet
hat.
Die
Gemeinden konnten erstmals zwischen vier Varianten der Personen- und
Haushaltserhebung wählen.
Die Gemeinde Killwangen hat sich für die bewährte und bürgernahe
Variante CLASSIC entschieden.
Sie entspricht der Volkszählung 1990.
Zählpersonen verteilen die Erhebungspapiere und sammeln sie auch
wieder ein.

Ein
erstes Ergebnis der Volkszählung 2000 ist die Verschiebung dreier
Nationalratssitze. Für die Nationalratswahlen (19. Oktober 2003)
erhalten drei Kantone je einen zusätzlichen Sitz: Schwyz, Freiburg und
Waadt. Basel-Stadt, Bern und Appenzell Ausserrhoden müssen demgegenüber
auf je eine Volksvertreterin oder einen Volksvertreter verzichten. Der
Kanton Aargau hat weiter Anrecht auf 15 Sitze, nachdem 1995 einer dazu
kam.
Weitere
Ergebnisse der Volkszählung 2000
>>
Interessante zusätzliche Informationen:
Gemeindekarten
Bevölkerungsvergleich 1850-2000 (mit Lupeneffekt)
Volkszählung
«Glatttalstadt» und «Limmattalstadt» im Vergleich zur Stadt Zürich 2004
<PDF>
Weitere Presseartikel:
13.04.2005 Ballungszentrum
Limmattal wächst ungebrochen
>>
Quellen:
Killwangner Neujahrsblatt
2000, Hans Schädler
Staatsarchiv des Kantons Aargau
Bundesamt für Statistik, Neuchatel
Revolution im Aargau, Umsturz - Aufbruch - Widerstand 1798 - 1803,
Beitrag von Andreas Steigmeier
Die ersten Volkszählungen>" AT Verlag, Aarau 1997
Neuenhof - ein Dorf und seine Geschichte, Baden-Verlag, Baden 1993
NZZ Nr. 37 vom 15.2.1999