Geschichte Killwangen

 Killwangen AG

Die Entstehung des Ortsnamens Killwangen >>
 

Lebensraum Wald
Aus dem Neujahrsblatt der Gemeinde Killwangen 1996 von Hans Schädler, ergänzt durch Internet-Recherche und eigene Texte.

Die urzeitlichen Waldungen

Die ältesten Zeugen des Waldes im Limmattal liegen in geringer Tiefe des Talgrundes. In der postglazialen Zeit, d.h. als die Gletscher sich zurückzogen, wuchsen im Tal Sumpfpflanzen, Föhren, Birken und die einwandernde Hasel. Erst später folgten Linden und Eschen. In der jüngeren Steinzeit um 6000 vor Chr. wurde das Klima milder, und mächtige Eichenwälder belegten das Limmattal. Durch eine weitere Klimaveränderung gingen die grossen Eichenwälder rasch zurück. Weiter gab es in dieser Zeit gewaltige, lang andauernde Überschwemmungen - bedingt durch die Sperrmoränen. Der Seespiegel hob sich um mehrere Meter, Lehm lagerte sich ab, und der Eichenwald ertrank.

Lehmlöcher Nahe dem Heitersberg wurde für die Ziegelei in Spreitenbach Lehm ausgehoben. Die entstandenen Löcher sind immer noch sichtbar

Der Wald im Mittelalter

Die nächsten Nachrichten fallen in die Zeit, als die Alemannen von unserem Land Besitz ergriffen. Sie waren für die ersten Kahlschläge besorgt. Benötigte die römische Siedlung verhältnismässig wenig Gelände, so war die alemannische Bevölkerung mit der Landwirtschaft genötigt, grosse Waldflächen zu roden, um sich Lebensraum zu schaffen. In Killwangen wurde hauptsächlich das Gebiet unterhalb des alten Dorfkerns in westlicher und östlicher Richtung vom Wald befreit. Durch die Deutung der Flurnamen können wir heute feststellen, welche Ausdehnung die Waldfläche zur Alemannenzeit hatte. Noch heute weisen die Flurnamen Hasel, Rütenen, Erlen usw. auf gerodeten Wald hin. Nicht zu vergessen sind die Auenwälder längs der Limmat. Wir können davon ausgehen, dass zur Alemannenzeit gut zwei Drittel des damaligen Gemeindebannes von Killwangen mit Wald bedeckt waren.

Frühlingswald             

Lange Zeit war der Wald herrenlos. Bei der Bildung des Feudalwesens wurden die Fürsten, Grafen, Ritter und auch Klöster mit solchem bedacht. So kamen die Kyburger, später die Habsburger in den Besitz unseres Waldes. Bei jeder Gelegenheit setzte sich auch das Kloster Wettingen in weiteren Waldbesitz und rundete damit sein Gebiet im Limmattal ab.

Wald als Ausbeutungsobjekt

In früheren Zeiten war es jedem Siedler freigestellt, in den Wäldern nach Lust und Laune Holz zu fällen. Mit dem Bevölkerungszuwachs nahm der Wert des Holzes zu, und die Holznutzung musste geregelt werden. Im 14. Jahrhundert waren bestimmte Waldstücke gebannt. Wer sich dort Holz beschaffte, musste eine Busse bezahlen. Um 1378 musste man für einen Eichenstamm ein Pfund Haller "auf den Stumpen legen", wie sich der Gesetzgeber um jene Zeit bildlich ausdrückte. Im gleichen Jahr kamen weitere, abgestufte Beträge zur Anwendung: "ein fuder 10 Schilling, ein karret 5, ein schleikboum 3, ein ledi 2, ein fusschlytt 2, 1 burdy 1 Schilling. 1504 kostete jeder Stamm, gleich welcher Holzsorte, ein Pfund.

Wald

Die Grundsätze, nach denen unser Wald im 18. Jahrhundert behandelt wurde, erfahren wir aus der "Holtz-Ordnung der Graffschaft Baden im Ergeuw" von 1712. Danach wurden die Schläge in bestimmten Abschnitten durchgeführt und anschliessend mit Erdwällen umgeben, auf die eine dichte Tannenhecke kam. Auf diese Weise konnte das Weidvieh vom Jungwuchs des Waldes ferngehalten werden. Nach acht bis zwölf Jahren wurde in der Regel wieder Holz geschlagen (Niederwald). Verunmöglichte der geringe Umfang eines Gemeindewaldes das Einhalten dieser Zeitspanne, hatte man wenigstens die Tannen auf den Grenzwällen heranwachsen lassen. Nicht mehr als der dritte oder vierte Teil des "Weydganges" durfte durch Einschlagen des Holzes der Weidenutzung entzogen werden. Damals standen die nicht eingehagten Wölder dem Vieh, besonders den Schweinen, offen.

Der Wald hatte in erster Linie Brennholz zu liefern. Zu diesem Zweck wurde jedem Bürger durch den Dorfmeier mittels Los ein Hau zugeteilt. Das Stammholz für den Bau oder die Reparatur eines Hauses erhielten sie nach Bedarf. Für die öffentlichen Gebäude wie Gemeinde- Wasch- oder Spritzenhaus verordnete der Abt von Wettingen das Bauholz. Im Falle von Streitigkeiten bei der Holzausgabe entschied er endgültig. Grosse Eichen, Buchen und Kirschbäume wurden verkauft und der Erlös floss in den Gemeindesäckel. 1767 beschloss die Gemeinde Killwangen, keine Kirschbäume mehr für Bettstatten abzugeben.

Baum    Munty am Ausmessen

Eine schätzenswerte Einnahme des Waldes bildeten die Nebennutzungen. Die Harzgewinnung wurde schon früh durch Verordnung auf bestimmte Plätze verwiesen. Das Gewerbe des Harzbrenners oder "Harzers" war vom Mittelalter bis zum Ende des letzen Jahrhunderts auch in unserer Gegend weit verbreitet. Die Schuhmacher waren vor der Jahrhundertwende noch darauf angewiesen, das Pech für den Zwirn vom "Harzer" zu erhalten. Erst die Einführung der Nähmaschine und die fabrikmässige Herstellung von Schuhen haben den Pechfaden und die Handarbeit verdrängt.

Im Forst- und Waldmandat von 1792 wird ausführlich beschrieben, wie "geharzet" werden darf. Harz wurde aus Tannen und Föhren abgezapft. Wer dies tun wollte, musste sich um eine Bewilligung bemühen, die er bei den Vorgesetzten der Gemeinde bekommen konnte. Eine Bewilligung zum "Harzen" wurde ausschliesslich an "einheimische, redliche Leute" erteilt, niemals aber an Fremde, die von ausserhalb der Grafschaft kamen. "Harzen" ohne Bewilligung war "bey hoher und je nach Umständen selbst bey Leibsstraffe und Ersatz der geschädigten Bäume" verboten.

Wer würde vermuten, dass in Killwangen vor gar nicht so langer Zeit noch ein Kohlenmeiler rauchte? Der Flurname "Cholplatz" in der Nähe der Guggermatt erinnert noch heute an die Stelle, wo früher Kohle gebrannt wurde. Im Kohlenmeiler wird Holz durch kontrolliertes Glimmen (trockene Destillation) zu Holzkohle. Da Holzkohle fünfmal leichter ist als Holz und fast den doppelten Brennwert hat, konnten durch die Köhlerei in früheren Zeiten auch entlegene Waldteile genutzt werden. Zudem kann durch die Holzkohle eine viel höhere Temperatur erreicht werden als mit Holz, was sie für die Metallgewinnung und -verarbeitung, zum Beispiel in der Esse des Schmiedes, unentbehrlich machte. Holzkohle wurde auch für die Glasherstellung, für die Herstellung von Schiesspulver, aber auch in Bügeleisen und Wärmepfannen verwendet. Heute wird die Holzkohle nicht nur zum Grillieren gebraucht; als Aktivkohle reinigt sie Gase und Wasser und ist in der Chemie und der Heilmittelherstellung unentbehrlich. Aus den Holzordnungen von 1752 udn 1792 geht lediglich hervor, dass das Kohlebrennen "nur an abwegigen Stellen" ausgeübt werden dürfe. Man wollte offenbar die rauchenden Meiler nicht bei Wohnstätten dulden. 1840 wurden einem Schmied Tannäste für das Bedecken eines Meilers in Killwangen geliefert und dafür ein Franken verrechnet. 

Koehler

Die wilden Früchte des Waldes wurden wohlwollend den Armen überlassen, ebenso das Gras und die Streue. Der Verkauf von Eichenrinde hatte in Killwangen grosse Bedeutung, solange in Dietikon und Urdorf Gerbereien betrieben wurden.

 

Die Bewirtschaftung des Waldes - gestern und heute

Über das Bewirtschaften der Waldungen im Mittelalter ist wenig überliefert. Wir wissen nur, dass die Meier des Dorfes zusammen mit einem "Vorster" das Holz ausgaben. Wenn verschiedene Gerichtsherren Rechte am Wald hatten, so entschied ein Schiedsgericht. So war es auch, als das Kloster Wettingen im Limmattal seinen Besitz vermehrte. Dagegen hatte der Landvogt von Baden in der Grafschaft die Aufsicht über die Waldungen und erliess seine Mandate im Interesse der Allgemeinheit.

Entasten   Space  Obacht!

Aus den Gerichtsbüchern von 1586 vernehmen wir erstmals, wie die Verwaltung vor sich ging. Ammann und Richter büssten die Frevler, während das Gericht - im Einvernehmen mit den Bürgern - die Verordnung über den Nutzen erliess. Der Abt von Wettingen als Grundherr genehmigte diese Beschlüsse, sofern er nicht selbst solche fasste. Daneben finden sich Beschlüsse, wie das Holz abzuführen sei und man sich allgemein im Wald zu verhalten habe. Bis 1799, als der Besitz des Klosters unter staatliche Aufsicht gestellt wurde, änderte sich in der Waldverwaltung wenig. Nach den Revolutionsjahren war die Macht des Klosters Wettingen gebrochen und dessen öffentliche Güter - und damit auch der Wald - fielen an das neue Gemeindewesen.

Schleicken   Herzstich

Der Killwanger Gemeindewald mit insgesamt 67 ha ist Teil des Forstreviers Heitersberg mit den Waldgebieten der Gemeinden Spreitenbach, Killwangen, Oberrohrdorf, Staretschwil, Bellikon und Remetschwil erwägen ebenfalls ein Beitritt zum Forstrevier Heitersberg) Betreut wird der Wald von Förster Peter Muntwyler. Er wird dabei von den Forstwarten Martin Bürgisser, Anton Schaub, Marcel Wegmann, Marcel Weber und dem Lehrling Patrick tatkräftig unterstützt.

Forstrevier Heitersberg

Killwangen wurde ins Wald- Natur-Schutzinventar des Kantons Aargau aufgenommen. Das Inventar hatte zum Ziel, die naturkundlich wichtigen Waldobjekte von überkommunaler Bedeutung in den aargauischen Waldungen zu erheben und damit eine Grundlage für den Vollzug des Biotopschutzes im Wald zu liefern. Eine besondere Bedeutung erhält das Gebiet infolge seiner grossen Fläche und es wird sogar im Schlussbericht erwähnt.

Ausgeschieden wurden zwei verschiedene Objekte:

  • Chleimätteli als grossflächiger, 90- bis 130-jähriger Laubmischwald mit einer hohen Vielfalt an Standorten, Baumarten, Strukturen und Kleinlebensräumen (ehemaliger Mittelwald).

  • Buhe-Rotel, ein ehemaliger Mittelwald mit besonderen Waldstandorten.

Herbstwald  Im Rotel

Wald ist eines der schönsten Geschenke der Natur. Er überspielt Berge und Hügel und füllt Ebenen mit geheimnissvollem Leben. Er begleitet Bäche und sichert die steilen Hänge der Täler. Er regelt die Wasserversorgung und wehrt sich gegen Wind und Sturm. Wo Bäume wurzeln, ist Leben.

              Bänkli

Eine Einkehr in den Wald ist immer auch eine Einkehr bei sich selbst. Es ist eine Tatsache - ohne Baum und Wald kein Überleben, keine Zivilisation, keine Kultur. Der Wald hat auch bei uns in Killwangen eine grosse Bedeutung als Naherholungsgebiet. Im sehr dicht besiedelten Limmattal, gewinnt diese Bedeutung immer mehr an Wichtigkeit. 

Die Waldfläche pro Kopf der Schweizer Bevölkerung ist vergleichbar mit Nachbarländern. Im dicht besiedelten Mittelland sind es jedoch nur 600m2, eine Fläche so gross wie eine Einfamilienhausparzelle. In der Schweiz darf jeder Wald betreten werden, egal wem er gehört. 

An warmen Sonntagen besuchen bis zu 250'000 Menschen den Schweizer Wald. Gross ist die Erholungsnachfrage in der Nähe von Siedlungsgebieten, was für 5% der Waldfläche zutrifft. Diese Wälder sind heute zu 80% erschlossen. 

Ob hoch zu Ross, in Wandersocken oder mit dem Mountainbike, mit vorgespanntem Kinderwagen oder bewaffnet mit Feldstecher um die Vögel zu studieren, mit Pilzkörbchen oder OL-Karte wird der Wald von vielen intensiv genutzt, was eine hohe Rücksichtsnahme und gegenseitigem Respekt aller Waldbenutzer erfordert. Um den Wald, seine Pflanzen und Tiere zu schützen ist seit 1997 im Kanton Aargau ein neues Waldgesetz und eine Waldverodnung in Kraft gesetzt worden. 

 

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Für Mountainbiker gibt es einen Ehrenkodex der helfen soll, Konflikte mit anderen Waldbenutzern zu verhindern.

Viel Wissenswertes über den Schweizer Wald erfahren Sie auf einem virtuellem Waldspaziergang auf der Webseite des schweizerischen Landesforstinventar  >>

Die häufigsten Waldbäume der Schweiz >> 

Der Borkenkäfer >>

Quellen:
Killwanger Neujahrsblatt 1996, 8. Jahrgang, Hans Schädler
Badener Neujahrsblatt, 1946
Neujahrsblatt von Dietikon, 1958 und 1981
Waldwirtschaftsplan

http://www.koehlerfest.ch/
http://www.wsl.ch/
http://www.singletrailmap.ch/
http://www.spreitenbach.ch/
Pressemitteilungen zum Thema:
15.01.2002 Die Pacht des Jagdreviers bis 2010 vergeben >> 
29.04.2002 Mit Förster und Jäger durch den Wald >>
25.05.2002 Bellikon und Remetschwil stossen zum Forstrevier Heitersberg>>
05.11.2002 Paintballer kaufen Wald >>
06.11.2002 Neues Paintball-Feld im Visier >>
12.11.2002 Rücksicht auf Brunstzeit >>
15.11.2002 Aargauer Entscheid über Paintball-Feld vertagt >>
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27.12.2002 Knapp 6000 Franken an die Waldschäden >>
30.12.2002 Fünf Gemeinden bewirtschaften Waldungen gemeinsam >>
26.03.2003 Auf sechs Ortsbürgergemeinden angewachsen >>
23.04.2003 Forst arbeitet defizitär >>
24.04.2003 Killwangen Hiebsatz im Forst unter dem Wirtschaftsplan >>
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