Geschichte Killwangen

 Killwangen AG

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Wasser

auch in Killwangen ein kostbares Gut

aus dem Neujahrsblatt der Gemeinde Killwangen 1995, 7. Jahrgang, Hans Schädler

Wasser ist ein Element, urgewaltig, turbulent...
Wasser wallt und wellt daher, fliesst durch Bäche und zum Meer...
Wasser, ideell und auch reell, Wasser ist Dein Lebensquell!

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Wasser entwickeln ungeahnte Kräfte

Erinnern Sie sich noch an die Schlagzeilen «Der Strassenverkehr ersoff im Dauerregen», «Aargau unter Wasser», «Kanton der tausend Seen» usw.  Sie alle stammen aus dem Badener Tagblatt vom 20.  Mai 1994.

Der Ennetbadener Hobbymeteorologe Ernst Reusser hat diese Niederschläge als «geradezu unheimlich» erlebt.  In seinem jahrzehntelangen Wetterbeobachten hat er noch nie etwas Ähnliches registriert.  Ernst Reusser mass allein in der Nacht auf den Donnerstag, 19.  Mai (Mittwoch 18 Uhr bis Donnerstag 8 Uhr) in Ennetbaden eine Niederschlagsmenge von acht Zentimetern.  Dies entspricht einer Wassermenge von 80 Litern pro Quadratmeter.  Die bisherigen Rekordniederschlagsmengen pro Nacht - etwa im Gefolge starker Gewitter - bewegten sich in der Grössenordnung von etwa sechs Zentimetern.

Die Region Baden und auch Killwangen mit seiner günstigen Lage wurden vom Schlimmsten gerade noch verschont.  Trotzdem gab es in früheren Zeiten, als die Bäche noch mehr Wasser führten, auch in Killwangen Wasser-Probleme.  Wir finden einen konkreten Hinweis in einem Gerichtsentscheid vom 16. Januar 1663:

 

Von Gewitterschäden erfahren wir erst im letzten Jahrhundert.  Am 30.  Juli 1824 entlud sich über Killwangen ein gewaltiges Gewitter, das offenbar recht hohe Schäden an Korn, Roggen und Baumfrüchten anrichtete.  Ein weiteres heftiges Gewitter suchte unser Dorf am 18. Juli 1852 heim.  Im gleichen Jahr prasselten vom 16. bis 18.  September ununterbrochen Regengüsse nieder.  Im Wald oberhalb von Killwangen wurden zahlreiche «Bergschlipfe» gezählt.

 

In den letzten Jahren nahmen die starken Gewitter und Stürme jedoch eindeutig zu, was folgende Übersicht beweist:

Am 16. Juli 1993 richtete der durch Spreitenbach verlaufende Dorfbach nach heftigen Niederschlägen erhebliche Schäden im Ortskern an und kostete ein Todesopfer. Auch in Killwangen trat der Dorfbach über die Ufer und überflutete einige Keller

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12.05.1999
Nach einem starken Gewitter trat der Dorfbach und der Hinterbergenbach in Killwangen an mehreren Orten über die Ufer. Es werden einige Keller an der Dorfstrasse sowie in den Hinterbergen überflutet. Viele Waldstrasse mussten saniert werden.

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26.12.1999 Sturm Lothar

Windgeschwindigkeiten von gegen 200 Kilometern pro Stunde über die Schweiz hinweg. Innerhalb von wenigen Minuten knickt der Sturm in der Gemeinde Dutzende von Bäumen, reisst Ziegel weg und beschädigt Liegenschaften und Dächer.

24.6.2002  Laut Meteo Schweiz wurden in Zürich und im Aargau Niederschlagsmengen von bis zu 50 Liter pro Quadratmeter registriert. Mit den Gewittern ging auch ein Temperatursturz von fast 10 Grad einher, nachdem noch am Sonntag in Genf Höchstwerte von über 35 Grad gemessen worden waren. Sturmböen von bis zu 90 Stundenkilometern fegten in der Nacht über weite Teile der Schweiz. Maisfelder boten ein trauriges Bild, durch den massiven Hagelschlag kurz und klein gehackt, Kornfelder wurden - allerdings nur strichweise - völlig flachgewalzt, erntereife Kirschen zu Boden geschlagen und viele andere Kulturen bis zum Totalschaden vernichtet. 
Die Feuerwehr Killwangen - Spreitenbach musste 60 Schadensmeldungen bearbeiten. >>
Pressemitteilung >> 

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Wasser vermitteln Tiefe

Schon vor Jahrhunderten kannte man die Sorgen um gutes Wasser.  Dies ist bis heute so geblieben, auch wenn die Voraussetzungen ganz anders geworden sind.  Die Beschaffung trinkbaren Wassers war in alter Zeit ein Problem, das nicht immer leicht zu lösen war.

Die Römer, die rund 50 Jahre v. Chr. in unserem Land Einzug hielten, verstanden es, das gute Quellwasser in erstaunlich langen Leitungen aus Hohlziegeln zu ihren Siedlungen zu leiten und es in Bleiröhren den Häusern zuzuführen.  Die Alemannen aber, die nach dem Rückzug der Römer um ungefähr 400 n. Chr. in unsere Gegend kamen, sahen sich wieder gezwungen, ihre Behausungen direkt an Quellen und Wasserläufe zu stellen.  Wasser war denn auch der Hauptfaktor für die Siedlungslage und das Entstehen unseres Dorfes.

Die eigentlichen Urbrunnen unserer Dörfer sind späteren Datums.  Es waren sogenannte Lochbrunnen, aus denen die Frauen mit Kübeln und Schüefi das Grundwasser heraufholten.  Neben den privaten Brunnen gab es schon früh solche, die den damaligen Dorfschaften gehörten.  Die schwere Schöpfarbeit wurde den Hausfrauen mit der Zeit vielerorts von Handpumpen abgenommen.

Der immerwährende Drang nach Verbesserung und Vervollkommnung aller menschlichen Gebrauchsgegenstände schuf den heute noch weit verbreiteten und beliebten Laufbrunnen.  In Killwangen sind davon noch drei vorhanden.  Brunnen sind nicht nur Zeichen der Vergangenheit, sie stehen auch für das sprudelnde Leben der Gegenwart und für das fliessende Leben der Zukunft. 

Das Wasser aus der Tiefe - das Grundwasser - verdanken wir den eiszeitlichen Gletschern und den riesigen Schmelzwassermengen, welche den sich zurückbildenden Eismassen entströmten. Im wasserdurchlässigen Schotter, vor allem in Gebieten unterhalb von End- oder Stirnmoränen (eine solche befindet sich in Killwangen) sammelt sich Grundwasser an, das sich in langsam fliessender Strömung durch die Kiesmassen drängt.  Am Limmatufer auf der Höhe des Bahnhofs Killwangen-Spreitenbach erkannte man früher - vor dem Aufstau der Limmat im Jahr 1933 - deutlich eine Grundwasserkreuzung.  Bei niedrigem Wasserstand brachen starke Quellen aus den Kiesmassen hervor.

Brunnen besitzen zu allen Zeiten ihre Bedeutung und ihregrossen Geheimnisse.

 Wasser für die Stadt Baden - unbedingt und auf ewige Zeiten

Ab 1896 begann man in Baden - das war im Aargau etwa der Zeitpunkt des sich anbahnenden technischen Fortschrittes - mit der Erweiterung des Wasserverteilnetzes: der Erstellung der Hausanschlüsse und der Hydranten für den Löschschutz.  Im Gleichen Jahr erwarb die Stadt Baden das Recht, aus 19 Rütimoosquellen in Killwangen Wasser via Neuenhof nach der Bäderstadt zu leiten. Nachdem die Einwohnergemeinde Baden durch Grossratsdekret vom 27.  Mai 1896 «das Recht erworben hat, behufs Erstellung einer Trinkwasserversorgung mit Hydranten und Druckleitungen das Quellengebiet des Bockbaches zu enteignen», ist zur Vermeidung der Expropriation zwischen der Ortsbürgergemeinde Killwangen einerseits und dem Gemeinderat Baden anderseits 1897 ein Vertrag abgeschlossen worden, der unter anderem folgende Bestimmungen enthält:

«Die Ortsbürgergemeinde Killwangen erteilt der Einwohnergemeinde das Recht, alles im Ober-Emert, Rütimoos, Lehstudhau und Kleinmättelihau in diesem bis zu der von den Kontrahenten gemeinsam vereinbarten und vermarchten Grenzlinie sich vorfindliche gefasste und ungefasste Wasser nach den Anordnungen des Gemeinderates Baden zu fassen und wegzuleiten. 

Diese Abtretung des Wassers geschieht unter folgenden näheren Bestimmungen:

1. Von dem in obengenannten Waldorten gefassten Wasser werden von Baden an Killwangen abgegeben: 120 min/l bei ausserordentlicher Trockenheit und daherigem Wassermangel.  Das von Killwangen nicht benutzte Wasser hat der Gemeinde Baden zuzufliessen.

 

2. Baden erstellt Killwangen bis Ende 1897 eine komplette Wasserversorgung mit Hydranten, Modell von Roll 1896, und Hausleitungen.  Garantie zwei Jahre, resp. dieselbe Dauer, die vom Unternehmer der Wasserversorgung, Baden, übernommen wird.

 

3. Baden übernimmt die erstmalige Anschaffung der nach Erstellung genannter Wasserleitung mit  Hydranten für Killwangen gesetzlich erforderlichen Feuerlöscheinrichtungen, wie Schläuche und Schlauchwagen.  Der gesetzliche Staatsbeitrag an die bezüglichen Kosten fällt zugunsten der Gemeinde Baden.

Mit der Unterzeichnung des Vertrages verzichtete Killwangen auf alle weiteren Rechte an dem abgetretenen Wasser unbedingt und für alle Zeiten und garantiert der Gemeinde Baden unentgeltliche freie Wegleitung des Wassers durch das Gemeindegebiet von Killwangen

Damit schlug die Geburtsstunde der Wasserversorgung Killwangen.  Wenn auch unsere Vorfahren damals aus einer finanziellen Notlage heraus handelten und der Vertrag in späteren Jahren immer wieder für die Gemeinde als nachteilig kritisiert wurde, darf sich das damalige Verhandlungsergebnis doch sehen lassen.  Immerhin gehörten zur kompletten Wasserversorgung zwei montierte Hahnen pro Haushalt; ebenso musste Baden das Reservoir erstellen.  Die ganze Hydrantenanlage, das Feuerwehrmagazin und die komplette Ausrüstung der Feuerwehr mussten ebenfalls von Baden berappt werden.  Im übrigen hat sich an der Gültigkeit des Vertrages bis heute nichts geändert.  Die Ergiebigkeit der Rütimoosquellen beträgt etwa l'000 l/min im Mittel.

Von einem ähnlich guten «Geschäft» dieser Art konnte unsere Nachbargemeinde Neuenhof nicht profitieren.  Im gleichen Zeitraum wurden nämlich unterhalb der Rütimoosquellen 9 Moosenhauquellen gefasst. Diese liegen wohl im Gemeindebann Neuenhof, jedoch im Wald, der dem Staat Aargau gehört. Dafür bezahlte Baden anfänglich jedes Jahr «auf Martini» der Aargauischen Staatskasse einen Wasserzins von 240 Franken.

Ergiebigkeit der 9 Quellen: etwa 500 l/min im Mittel. Alle diese Quellen entspringen ungefähr auf einer gleichen Höhenkote von 600 in.  Das Quellwasser wird über eine rund 12 km lange Leitung ohne Pumpeneinsatz - nach Baden bzw. nach Dättwil geleitet.

Natürlich versorgten sich die Killwanger schon vor 1897 mit Trinkwasser.  Das Wasser wurde in hölzernen Röhren, den sogenannten Teucheln, zugleitet.  Die Instandhaltung der gesamten Wasserleitung lag in den Händen des Brunnenmeisters.  Er hatte die Teuchel zu bohren.  Für das Bohren von 18 Fuss langen Röhren bezog er 30 Rappen pro Stück.  Zu seinen Aufgaben gehörte auch das Durchziehen der Wasserleitungen. Vierteljährlich musste auf diese Weise das ganze Leitungsnetz gereinigt werden.  Die Teuchel wurden jeweils nach kurzer Zeit undicht.  Ständige Reparaturen zwangen die Gemeinde, die Holzröhren durch eiserne zu ersetzen, was sich auch bezüglich Reinheit des Trinkwassers durchaus positiv auswirkte.

Im Jahre 1800 rechnete man noch mit einem Wasserbedarf von zehn Litern pro Person und Tag.  Ob in Killwangen der Tages-Wasserverbrauch immer noch 480 Liter (Durchschnittsverbrauch pro Kopf 1993) erreichen würde, wenn die Leute ihr Wasser mit Kesseln am Brunnen holen müssten?

Wasser im Glas

Was ist schon Wasser?  Es lohnt sich, auf diese Frage eine bewusste Antwort zu suchen und einmal ein gefälltes Glas Wasser gegen das Licht und in das Licht zu halten, um es eingehend und vielleicht betroffen zu betrachten.

Wasser ist Leben und Zukunft, wir brauchen diesen Stoff, um weiter zu bestehen und zu leben.  Zugleich ist aber ein Schluck Wasser auch kosmische Urmaterle, denn Wasserstoff und dieser Stoff aus Wasser sind ein (kosmisches Fossil» - Milliarden Jahre alt - ein «Gebräu der ersten Stunde», als unser Sonnensystem langsam erwachte. Überkommt einem da nicht ein Schauer?

Wasser ist das wichtigste Lebensmittel, eine einzigartige und unersetzbare natürliche Ressource.  Der Mensch hat das Recht, das Wasser zum allgemeinen Wohl zu nutzen, und die Pflicht, es im Sinne des Gemeinwohls zu schützen.  Wasser kennt keine Eigentumer, sondern allenfalls Treuhänder.  Daraus folgt: die Gemeinde besitzt kein Wasser, sondern auf ihrem Gebiet befindet sich Wasser. Sie hat kein Eigentumsrecht auf Wasser, sondern ihr obliegt eine besondere treuhänderische Verantwortung für das Wasser.

Pressemitteilungen:

15.04.2005 Wasserversorgung Killwangen übernommen >>
7.10.2006 Eine Krippe für die Fischbabys >>
8.11.2006 Killwangen Einwandfreies Trinkwasser >>

Quellenangaben:
Killwangner Neujahrsblatt 1998, Hans Schädler
Badener Tagblatt vom 27. 1. 1983 und vom 20. 5. 1994
Badener Neujahrsblatt 1986 (Joseph Stalder: Die Trink-wasserversorgung der Stadt Baden - von einst und heute)
Kommunalmagazin 11/94 (Werner Catrina: Perspektiven für das Schweizer Trinkwasser)

http://www.fwspreitenbach.ch/


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