Von
Gewitterschäden erfahren wir erst im letzten Jahrhundert. Am 30.
Juli 1824 entlud sich über Killwangen ein gewaltiges Gewitter, das
offenbar recht hohe Schäden an Korn, Roggen und Baumfrüchten
anrichtete. Ein weiteres heftiges Gewitter suchte unser Dorf am
18. Juli 1852 heim. Im gleichen Jahr prasselten vom 16. bis 18.
September ununterbrochen Regengüsse nieder. Im Wald oberhalb von
Killwangen wurden zahlreiche «Bergschlipfe» gezählt.
In
den letzten Jahren nahmen die starken Gewitter und Stürme jedoch
eindeutig zu, was folgende Übersicht beweist:
Am
16. Juli 1993 richtete der durch Spreitenbach verlaufende
Dorfbach nach heftigen Niederschlägen erhebliche Schäden im Ortskern
an und kostete ein Todesopfer. Auch in Killwangen trat der Dorfbach
über die Ufer und überflutete einige Keller

12.05.1999
Nach einem starken Gewitter trat der Dorfbach und der Hinterbergenbach
in Killwangen an mehreren Orten über die Ufer. Es werden einige Keller
an der Dorfstrasse sowie in den Hinterbergen überflutet. Viele
Waldstrasse mussten saniert werden.

26.12.1999
Sturm Lothar
Windgeschwindigkeiten
von gegen 200 Kilometern pro Stunde über die Schweiz hinweg. Innerhalb
von wenigen Minuten knickt der Sturm in der Gemeinde Dutzende von Bäumen,
reisst Ziegel weg und beschädigt Liegenschaften und Dächer.

24.6.2002
Laut Meteo Schweiz wurden in Zürich und im Aargau Niederschlagsmengen
von bis zu 50 Liter pro Quadratmeter registriert. Mit den Gewittern ging
auch ein Temperatursturz von fast 10 Grad einher, nachdem noch am
Sonntag in Genf Höchstwerte von über 35 Grad gemessen worden waren.
Sturmböen von bis zu 90 Stundenkilometern fegten in der Nacht über
weite Teile der Schweiz. Maisfelder boten ein trauriges Bild, durch den
massiven Hagelschlag kurz und klein gehackt, Kornfelder wurden -
allerdings nur strichweise - völlig flachgewalzt, erntereife Kirschen
zu Boden geschlagen und viele andere Kulturen bis zum Totalschaden
vernichtet.
Die Feuerwehr Killwangen - Spreitenbach musste 60
Schadensmeldungen bearbeiten.
>>
Pressemitteilung >>

Wasser
vermitteln Tiefe
Schon
vor Jahrhunderten kannte man die Sorgen um gutes Wasser. Dies ist
bis heute so geblieben, auch wenn die Voraussetzungen ganz anders
geworden sind. Die Beschaffung trinkbaren Wassers war in alter
Zeit ein Problem, das nicht immer leicht zu lösen war.
Die
Römer, die rund 50 Jahre v. Chr. in unserem Land Einzug hielten,
verstanden es, das gute Quellwasser in erstaunlich langen Leitungen aus
Hohlziegeln zu ihren Siedlungen zu leiten und es in Bleiröhren den Häusern
zuzuführen. Die Alemannen aber, die nach dem Rückzug der Römer
um ungefähr 400 n. Chr. in unsere Gegend kamen, sahen sich wieder
gezwungen, ihre Behausungen direkt an Quellen und Wasserläufe zu
stellen. Wasser war denn auch der Hauptfaktor für die
Siedlungslage und das Entstehen unseres Dorfes.
Die
eigentlichen Urbrunnen unserer Dörfer sind späteren Datums. Es
waren sogenannte Lochbrunnen, aus denen die Frauen mit Kübeln und Schüefi
das Grundwasser heraufholten. Neben den privaten Brunnen gab es
schon früh solche, die den damaligen Dorfschaften gehörten. Die
schwere Schöpfarbeit wurde den Hausfrauen mit der Zeit vielerorts von
Handpumpen abgenommen.
Der
immerwährende Drang nach Verbesserung und Vervollkommnung aller
menschlichen Gebrauchsgegenstände schuf den heute noch weit
verbreiteten und beliebten Laufbrunnen. In Killwangen sind davon
noch drei vorhanden. Brunnen sind nicht nur Zeichen der
Vergangenheit, sie stehen auch für das sprudelnde Leben der Gegenwart
und für das fliessende Leben der Zukunft.
Das
Wasser aus der Tiefe - das Grundwasser - verdanken wir den eiszeitlichen
Gletschern und den riesigen Schmelzwassermengen, welche den sich zurückbildenden
Eismassen entströmten. Im wasserdurchlässigen Schotter, vor allem in
Gebieten unterhalb von End- oder Stirnmoränen (eine solche befindet
sich in Killwangen) sammelt sich Grundwasser an, das sich in langsam
fliessender Strömung durch die Kiesmassen drängt. Am Limmatufer
auf der Höhe des Bahnhofs Killwangen-Spreitenbach erkannte man früher
- vor dem Aufstau der Limmat im Jahr 1933 - deutlich eine
Grundwasserkreuzung. Bei niedrigem Wasserstand brachen starke
Quellen aus den Kiesmassen hervor.

Brunnen
besitzen zu allen Zeiten ihre Bedeutung und ihregrossen
Geheimnisse.
Wasser
für die Stadt Baden - unbedingt und auf ewige Zeiten
Ab
1896 begann man in Baden - das war im Aargau etwa
der Zeitpunkt des sich anbahnenden technischen Fortschrittes
- mit der Erweiterung des Wasserverteilnetzes: der Erstellung der
Hausanschlüsse und der Hydranten für
den Löschschutz. Im Gleichen Jahr
erwarb die Stadt Baden das Recht, aus 19 Rütimoosquellen in Killwangen
Wasser via Neuenhof nach der Bäderstadt zu leiten. Nachdem
die Einwohnergemeinde Baden durch Grossratsdekret
vom 27. Mai 1896 «das Recht erworben
hat, behufs Erstellung einer Trinkwasserversorgung mit Hydranten und
Druckleitungen das Quellengebiet des Bockbaches zu enteignen», ist zur
Vermeidung der Expropriation zwischen der Ortsbürgergemeinde Killwangen
einerseits und dem Gemeinderat Baden anderseits 1897 ein Vertrag
abgeschlossen worden, der unter anderem folgende Bestimmungen enthält:
«Die
Ortsbürgergemeinde Killwangen erteilt der Einwohnergemeinde das Recht,
alles im Ober-Emert, Rütimoos, Lehstudhau und Kleinmättelihau in
diesem bis zu der von den Kontrahenten gemeinsam vereinbarten und
vermarchten Grenzlinie sich vorfindliche gefasste und ungefasste Wasser
nach den Anordnungen des Gemeinderates Baden zu fassen und wegzuleiten.
Diese
Abtretung des Wassers geschieht unter folgenden näheren Bestimmungen:
1.
Von dem in obengenannten Waldorten gefassten Wasser werden von Baden an
Killwangen abgegeben: 120 min/l bei ausserordentlicher Trockenheit und
daherigem Wassermangel. Das von Killwangen nicht benutzte Wasser
hat der Gemeinde Baden zuzufliessen.
2.
Baden erstellt Killwangen bis Ende 1897 eine komplette Wasserversorgung
mit Hydranten, Modell von Roll 1896, und Hausleitungen. Garantie
zwei Jahre, resp. dieselbe Dauer, die vom Unternehmer der
Wasserversorgung, Baden, übernommen wird.
3.
Baden übernimmt die erstmalige Anschaffung der nach Erstellung
genannter Wasserleitung mit Hydranten für Killwangen gesetzlich
erforderlichen Feuerlöscheinrichtungen, wie Schläuche und
Schlauchwagen. Der gesetzliche Staatsbeitrag an die bezüglichen
Kosten fällt zugunsten der Gemeinde Baden.
Mit
der Unterzeichnung des Vertrages verzichtete Killwangen auf alle
weiteren Rechte an dem abgetretenen Wasser unbedingt und für alle
Zeiten und garantiert der Gemeinde Baden unentgeltliche freie Wegleitung
des Wassers durch das Gemeindegebiet von Killwangen
Damit
schlug die Geburtsstunde der Wasserversorgung Killwangen. Wenn
auch unsere Vorfahren damals aus einer finanziellen Notlage heraus
handelten und der Vertrag in späteren Jahren immer wieder für die
Gemeinde als nachteilig kritisiert wurde, darf sich das damalige
Verhandlungsergebnis doch sehen lassen. Immerhin gehörten zur
kompletten Wasserversorgung zwei montierte Hahnen pro Haushalt; ebenso
musste Baden das Reservoir erstellen. Die ganze Hydrantenanlage,
das Feuerwehrmagazin und die komplette Ausrüstung der Feuerwehr mussten
ebenfalls von Baden berappt werden. Im übrigen hat sich an der Gültigkeit
des Vertrages bis heute nichts geändert. Die Ergiebigkeit der Rütimoosquellen
beträgt etwa l'000 l/min im Mittel.
Von
einem ähnlich guten «Geschäft» dieser Art konnte unsere
Nachbargemeinde Neuenhof nicht profitieren. Im gleichen Zeitraum
wurden nämlich unterhalb der Rütimoosquellen 9 Moosenhauquellen
gefasst. Diese liegen wohl im Gemeindebann Neuenhof, jedoch im Wald, der
dem Staat Aargau gehört. Dafür bezahlte Baden anfänglich jedes Jahr
«auf Martini» der Aargauischen Staatskasse einen Wasserzins von 240
Franken.
Ergiebigkeit
der 9 Quellen: etwa 500 l/min im Mittel.
Alle diese Quellen entspringen ungefähr auf einer
gleichen Höhenkote von 600 in. Das Quellwasser wird über eine
rund 12 km lange Leitung ohne Pumpeneinsatz - nach Baden bzw. nach Dättwil
geleitet.
Natürlich
versorgten sich die Killwanger schon vor 1897 mit Trinkwasser. Das
Wasser wurde in hölzernen Röhren, den sogenannten Teucheln, zugleitet.
Die Instandhaltung der gesamten Wasserleitung lag in den Händen des
Brunnenmeisters. Er hatte die Teuchel zu bohren. Für das
Bohren von 18 Fuss langen Röhren bezog er 30 Rappen pro Stück.
Zu seinen Aufgaben gehörte auch das Durchziehen der Wasserleitungen.
Vierteljährlich musste auf diese Weise das ganze Leitungsnetz gereinigt
werden. Die Teuchel wurden jeweils nach kurzer Zeit undicht.
Ständige Reparaturen zwangen die Gemeinde, die
Holzröhren
durch eiserne zu ersetzen, was sich auch
bezüglich Reinheit des Trinkwassers durchaus positiv auswirkte.
Im
Jahre 1800 rechnete man noch mit einem Wasserbedarf von zehn Litern pro
Person und Tag. Ob in Killwangen der Tages-Wasserverbrauch immer
noch 480 Liter (Durchschnittsverbrauch pro Kopf 1993) erreichen würde,
wenn die Leute ihr Wasser mit Kesseln am Brunnen holen müssten?
Wasser
im Glas
Was
ist schon Wasser? Es lohnt sich, auf diese Frage eine bewusste
Antwort zu suchen und einmal ein gefälltes Glas Wasser gegen das Licht
und in das Licht zu halten, um es eingehend und vielleicht betroffen zu
betrachten.
Wasser
ist Leben und Zukunft, wir brauchen diesen Stoff, um weiter zu bestehen
und zu leben. Zugleich ist aber ein Schluck Wasser auch kosmische
Urmaterle, denn Wasserstoff und dieser Stoff aus Wasser sind ein
(kosmisches Fossil» - Milliarden Jahre alt - ein «Gebräu der ersten
Stunde», als unser Sonnensystem langsam erwachte. Überkommt einem da
nicht ein Schauer?
Wasser
ist das wichtigste Lebensmittel, eine einzigartige und unersetzbare natürliche
Ressource. Der Mensch hat das Recht, das Wasser zum allgemeinen
Wohl zu nutzen, und die Pflicht, es im Sinne des Gemeinwohls
zu schützen. Wasser kennt keine Eigentumer, sondern allenfalls
Treuhänder. Daraus folgt: die Gemeinde besitzt kein Wasser,
sondern auf ihrem Gebiet befindet sich Wasser. Sie hat kein
Eigentumsrecht auf Wasser, sondern ihr obliegt eine besondere treuhänderische
Verantwortung für das Wasser.
Pressemitteilungen:
15.04.2005 Wasserversorgung
Killwangen übernommen >>
7.10.2006 Eine Krippe für die Fischbabys
>>
8.11.2006 Killwangen Einwandfreies Trinkwasser
>>
Quellenangaben:
Killwangner Neujahrsblatt
1998, Hans Schädler
Badener Tagblatt vom 27. 1. 1983 und vom 20. 5. 1994
Badener Neujahrsblatt 1986 (Joseph Stalder: Die Trink-wasserversorgung
der Stadt Baden - von einst und heute)
Kommunalmagazin 11/94 (Werner Catrina: Perspektiven für das Schweizer
Trinkwasser)
http://www.fwspreitenbach.ch/