Ordensgeschichte

1. Das Abendländische Mönchstum

Die Grundidee monastischen Lebens ist so alt wie das Christentum selbst. Neben Christus selbst ist besonders Johannes der Täufer ein Vorbild. Ihm wurde auch die erste Kirche in Montecassino geweiht. Schon in der Urkirche gab es Gruppen von Asketen. Deutlicher traten diese dann aus der normalen Gemeinde heraus. Dies wird aber als Dienst vor Gott (auch für andere) und nicht Flucht verstanden.

Zunächst waren es Einsiedler (Anachoreten), vor allem in der Alexandrinischen Wüste. Der wohl bedeutendste geistliche "Vater" war Antonius d. Gr. (um 250-356), von dem geistliche Anweisungen überliefert sind. Bald begannen sich die Einsiedler zusammenzuschließen, unter gemeinsamer geistlicher Leitung und Gütergemeinschaft. Pachomius (um 292-346) beginnt mit der Organisation der Mönchsgemeinschaft, neben Gebet, Arbeit und Askese fällt schon hier ein gewisser Bildungsanspruch auf. Im Osten ist vor allem Basilius von Caesarea (um 330-394) von Bedeutung; heute noch lebt das orientalisches Mönchtum nach seiner Regel. Überall entstehen klosterähnliche Gemeinschaften. Martin von Tours (316-397) gilt "Antonius des Westens". Einen neuen Impuls fügt das iro-schottische Mönchtum hinzu, die "peregrinatio pro Christo": die Mönche verstehen sich auch als Missionare (z.B. der hl. Kolumban, † 615).

Der "Vater" des abendländischen Mönchtums ist der hl. Benedikt (um 480-547), dessen Leben und Wirken von Papst Gregor d. Gr. ausführlich beschrieben wird. Benedikt wurde um 480 in Nursia geboren. Nach einem abgebrochnen Studium führt er zunächst ein Einsiedlerleben in Subiaco, gründet später zwölf Klöster. Aber erst mit der Gründung von Montecassino wird der Grund für eine der bedeutendsten Entwicklungen innerhalb der Kirche gelegt. Montecassino wird übrigens im Jahre 529 gegründen, im selben Jahr als in Athen die Platonische Akademie, 387 v. Chr. von Platon gegründet, geschlossen wird. Die benediktinischen Klöster werden zu den Kulturträgern des Mittelalters. Papst Johannes Paul II. hat den hl. Benedikt zum "Patron Europas" erhoben.

Die Regel, die der hl. Benedikt für sein Kloster verfaßt hat war, gemäß dem allgemeinen Verständnis des Autonomie jedes Klosters, eine Art "Hausordnung". Im Grunde kann jede Kommunität sich selbständig organisieren. Allerdings werden mit den organisatorischen Elementen auch geistliche Anleitungen zu christlicher Praxis im Kloster verbunden. Bei der Aufnahme verspricht der Novize die 3 monastischen Gelübde "Beständigkeit (stabilitas), klösterlichen Lebenswandel (conversatio morum suorum) und Gehoram (oboedientiam)" (Benediktsregel. 58,17). Er bindet sich damit auch an die konkrete Gemeinschaft eines Klosters. Es gab neben der Benediktsregel auch zahlreiche weitere Klosterregeln. Erst im Karolingischen Reich - unter dem hl. Bonifatius - sollte sich seine Regel allgemein durchsetzen. Im Gegensatz zu anderen Regel zeichnet sie sich u.a. auch durch einen großen Ermessensspielraum aus, der eine Adaption an verschiedenen Gegebenheiten erlaubt.

Das Mönchtum im Mittelalter hat auch staatstragende Funktionen, z.B. es gab freie Reichsabteien, waren eine Säule der Bildung (Schulen und Tradierung auch der Werke der Antike) und Kultur. Mit der wachsenden Bedeutung gingen freilich auch Mißbräuche und Verflachung des ursprünglichen Ideals einher. So hat es immer wieder Reformansätze gegeben. Meist erstreckten sie sich nur auf das einzelne Klöster, aber es gab auch größere Reformbewegungen (z.B. Gorze, Hirsau). Die bedeutendste vor Cîteaux ging von Cluny aus.

Cluny wurde 910 gegründet. Der Reform schlossen sich bald zahlreiche Klöster an, und viele Neugründungen erfolgten. Der Verband von Cluny wurde aber streng monarchistisch vom Abt von Cluny gelenkt. Im Laufe der Zeit verschob sich der Schwerpunkt einseitig auf den Gottesdienst - die Abteikirche von Cluny war seinerzeit die größte Kirche des Abendlandes - zu Lasten der anderen Pfeiler des Mönchtums (Arbeit und Studium).

Auch Molesme, wo der hl. Robert 1075 Abt wurde, war von der Reform Clunys beeinflußt. Den hl. Stephan Harding, einem englischen Benediktiner, beeindruckte es so, daß er von seinem Frankreichaufenthalt nicht mehr nach England zurückkehrte, sondern sich dem hl. Robert anschloß. Auch mit Molesme gelingt die gewünschte Erneuerung des Mönchstums nicht. Mit fast 80 Jahren wird der hl. Robert noch eine Neugründung unternehmen, die schließlich zur bedeutendesten monastischen Bewegung des Mittelalters werden sollte.

 2. Die Gründung von Cîteaux

Am 21. März, dem Fest des hl. Benedikt, 1098 begann offiziell das klösterliche Leben in Cîteaux, einer rauhen Einöde (vgl. »Exordium Cistercii«. 1), der einundzwanzig Mönche unter Führung des hl. Robert. Dieser mußte aber schon ein Jahr später auf Bitten der Mönche von Molesme und päpstliches Geheiß dorthin zurückkehren. Ihm folgte als Abt der hl. Alberich, der das Kloster bis 1108 leitete. Der dritte Abt ist der hl. Stephan Harding.

Unsere Ordensväter sind auf dem Altar im südlichen Seitenschiff, dem sog. Marienalter, dargestellt. Die Bildbeschreibung spricht fälschlicherweise nur vom hl. Robert. Es sind aber alle drei Gründerväter von Cîteaux in typischer Ikonographie dargestellt. Rechts sieht man den hl. Robert, den Gründer und ersten Abt von Cîteaux, beim Auszug aus Molesme. Links den hl. Alberich, den zweiten Abt, wie er von der Gottesmutter die weiße Kukulle empfängt. Bis dahin hatten die Mönche von Cîteaux noch das schwarze Gewand der Benediktiner getragen. Und in der Mitte, den hl. Stephan, der gewöhnlich mit dem Abtsstab in der Hand dargestellt wird. Das Buch in der Mitte könnte unsere Ordensverfassung, die »Charta Caritatis«, sein, denn der hl. Benedikt hält selbst ja die Ordensregel in der Hand, um so auch die legitime Interpretation des bendiktinischen Ideals durch die Zisterzienser darzustellen.

Dem hl. Stephan ist zunächst die spirituelle Grundlegung des Ordens zu danken, eine Rückkehr zur Einfachheit und Ursprünglichkeit der Regel Benedikts, ohne dabei z.B. der Liturgie ihren Glanz und ihre Feierlichkeit zu nehmen; das »Exordium Parvum« schreibt immerhin silberne Kelche mit vergoldeter Kuppa vor (vgl. »Exordium parvum«. 17). Auch förderte er durchaus intellektuelle Tätigkeit. Er selbst sorgte für eine für seine Zeit einmalige kritische Ausgabe der Vulgata, der lateinischen Bibel, wozu er auch jüdische Gelehrte zu Rate zog. Erst der Geist des hl. Bernhard wird eine fast übertriebene Einfachheit propagieren, die sich aber in weit entfernten Gebieten auch bei Gründungen zu seinen Lebzeiten, wie z.B. Heiligenkreuz, nie ganz durchgesetzt hat. Die Einfachheit zeigt sich vor allem in der Architektur, aber auch in neuen, äußerst ökomischen Formen in Landwirtschaft und Ausnutzung der Wasserkraft der stets in Tälern errichteten Klöstern.

Die knappeste Zusammenfassung monastischer Existenz findet sich bei Wilhelm von St. Thierry in seinem »Goldenen Brief«: "vacare Deo, frui Deo" - "frei sein für Gott und Gott genießen". Es geht um eine Sorglosigkeit, um frei zu sein für das Wesentliche - das freilich einen wirklichen "Genuß" darstellt -, die aber nur gegeben ist, wenn das Kloster - der Gemeinschaftbesitz aller - eine gesicherte Existenz bietet.

Da man einerseits die Benediktsregel genau erfüllen wollte, andererseits sich die Unabhängigkeit bewahren wollte, also auch keine Einkünfte aus Zehnten, Dörfern, Hörige etc. haben wollte, entschloß man sich bald Laienbrüder ("Conversen") einzuführen (vgl. »Exordium pravum«. 15). Es war eine durchaus erfolgreiche Institution, denn bislang gab es ja als Form gottgeweihten Lebens nur den Mönchsstand, der trotz einfacher und handwerklicher Arbeiten auch hohe Anforderung an Bildung stellte. So boten die Laienbrüder erstmals in großem Stil die Möglichkeit eines des geweihten Lebens, das nicht nur "einfache" Menschen anzog. Erst mit der Bettlordenbewegung im folgenden Jahrhundert wird in der Kirche eine Alternative dazu entstehen. Dies sollte man nicht vergessen, wenn diese Form, gerade durch zwei getrennte Gemeinschaften (Mönche und Laienbrüder) in einem Haus, in diesem Jahrhundert in Mißkredit geraten ist und nach dem II. Vatikanum weitgehend abgeschafft worden ist.

Die Anfänge waren mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten verbunden, von denen das »Exordium Cistercii« berichtet: "Denn die kleine Herde beklagte nur dies, daß sie klein war ... Die Nachbarn ehrten nämlich in ihnen die Heiligkeit des Lebens, wollten aber von der Strenge nichts wissen und schreckten so vor ihrer Nachfolge zurück."

Schon bald sollte sich dies jedoch ändern, sodaß an die erste Tochtergründung gedacht werden konnte (La Ferté, 1113). Vollends wendete sich die Situation mit dem Eintritt des hl. Berhard zusammen mit dreißig Gefährten. Damit stellte sich die Frage, in welcher Weise die im benediktinischen Mönchtum selbstverständliche Autonomie eines jeden Klosters mit der Idee einer dauerhaften gemeinsamen Form zu verbinden sei.

 3. Der Zisterzienserorden

Sehr bald werden sie ersten vier Tochterklöster gegründet: 1113 La Ferté, 1114 Pontigny, 1115 Clairvaux (hl. Bernhard) und 1115 Morimond. Diese vier "Primarabteien" werden stets eine gewisse Sonderstellung behalten und sind Ausgang der Struktur der Filiation des Ordens, so ist Heiligenkreuz 1133 direkt von Morimund gegründet worden, das Neukloster 1444 von Rein, das über sein Gründerkloster Ebrach auch zur "Familie" von Morimond gehört.

Dem hl. Stephan verdanken wir die Inspritation der Ordensverfassung, die »Charta Caritatis«. Erstmals wurden Klöster zu einer Struktur geeint, die wir einen "Orden" nennen. Er ist somit nicht nur unsrer Ordensgründer im eigentlichen Sinne, sondern im Grunde der erste Ordensgründer überhaupt. Den Gedanken der Einheit drückt er in der Charta Caritatis so aus: "In unseren Handlungen soll keine Verschiedenheit herschen, sondern wir sollen in der einen Liebe, unter derselben Regel und nach weitgehend gleichen Bräuchen leben." Die »Charta Caritatis« wurde erstmals 1119 approbiert, später aber aufgrund der rasanten Ausbreitung des Ordnes mit den sich daraus ergebenden neuen Anforderungen mehrfach modifiziert. Bis zum Tod des hl. Stephan im Jahre 1134 wurden 80 Tochterklöster gegründet, in der Mitte des 14. Jh. sollten es über 700 werden.

Die Grundgedanken der Ordenverfassung sind auf der einen Seite die personelle und ökonomische Autonomie eines jeden Klosters; die Mönche legen das Gelübde auf das jeweilige Kloster ab - bis heute ist ein Wechsel zwischen zwei Klöstern eine langwierige Angelegenheit. Als Organ der Einheit findet das jährliche Generalkapitel in Cîteaux statt, die Versammlung aller Äbte des Ordens. Diese ist - im Gegensatz zum Klosterverband von Cluny, wo der Abt von Cluny diesem allein als Abt vorstand - die verantwortliche Instanz für alle Klöster. Die einzelnen Klöster werden jährlich visitiert, wobei die Familienstruktur zum Tragen kommt, d.h. der Vaterabt visitiert die Tochtergründungen. Die Visitationen gewähren die einheitliche Befolgung von Regel und Statuten. Allein Cîteaux wird von den Äbten der vier Primarabteien visitiert. Der Abt von Cîteaux wird nicht als "Generaloberer" o.ä. vom Generalkapitel gewählt, sondern ganz normal von den Mönchen seines Klosters.

Die internationale Struktur der Ordensleitung mit dem jährlich tagenden Generalkapitel als dem eigentlichen Leitungsgremium veranlaßte den bedeutenden österreichischen Diplomaten Breycha-Vauthier im Jahr des Bernhardjubiläums 1953, diese als Vorbild für moderne internationale Strukturen herauszustellen. - Erst mit den Bettelorden des 13. Jhs. wird die "moderne" zentralistische Struktur aufkommen, die sich nicht von unten, den einzelnen autonomen Abteien, aufbaut, sondern den einen Orden in Provinzen o.ä. bis hin zu den einzelnen Kommunitäten aufgliedert.

Im 17. Jh. beginnen einige Klöster, sich in "Kongegrationen" zusammenzuschließen, die sich aber zunächst noch in die allgemeine Struktur des Ordens einfügen. Vollends zerstört wurde die auf der Filiation beruhende Struktur durch die Französische Revolution mit der Zerschlagung der Stammklöster in Frankreich, sowie die Säkularisation im Europa des 19. Jhs. Allein in Österreich blieben Reste erhalten. So ersetzte schließlich die Organisation in Kongregationen die alten "Familien". An Stelle des Abtes von Cîteaux wird von Generalkapitel ein Abt eines Klosters des Ordens zum "Generalabt" gewählt. Erst nach dem II. Weltkrige konnte der Bau eines Generalatshauses in Rom abgeschlossen werden. Seitdem hat unser Orden ähnlich wie andere ein "Leitungsinstanz" in Rom, wenngleich die Kompetenz der Generalkapitels erhalten geblieben ist, das jetzt aller 5 Jahre in Rom stattfindet. 1995 wurde Maur Esteva, Abt von Poblet in Katalonien, zum Generalabt gewählt. Neben den Generalabt gibt es immer noch den "Generalprokurator", eine Art bevollmächtigter Vertreter des Ordens beim Hl. Stuhl aus der Zeit als das Zentrum des Ordens noch in Frankreich lag. Derzeit ist dies der Heiligenkreuzer Meinrad Tomann.

Im Laufe der Geschichte gab es auch innerhalb des Ordens, besonders bedingt durch allgemeines Verfallserscheinungen ab dem Spätmittelalter, zahlreiche Reformen. Am bedeutendsten erwies sich im 17. Jh. die des Abtes Rancé von La Trappe. Es enstand innerhalb des Ordens eine Kongregation der strengen Observanz. 1892 kam es zu einer Trennung der beiden Ordenszweige, die "Cisterciender von der strengen Observanz" (O.C.S.O.), nach dem Kloster La Trappe auch "Trappisten" genannt, wurden ein eigener Orden. Heute gibt es weltweit mehr Trappisten als Zisterzienser.

 4. Die Entwicklung des Ordens:

Zunächst pflegten die Zisterzienser eine ganz bewußte Zurückgezogenheit, doch bald führte die Verantwortung für das Gesamtwohl der Kirche viele von ihnen ins Tagesgeschehen hinaus. Der hl. Bernhard war nicht nur eine charismatische Gestalt, die scharenweisen junge Männer ins Kloster zog, sondern auch ein bedeutender Kirchenpolitiker, sei es die Auseinandersetzung mit Abälard, das Schisma der Papstwahl von 1130 oder die Vorbereitung des Kreuzzuges im Jahre 1146.

So haben sehr bald Zisterzienser auch verantwortliche Aufgaben in der Kirche übernommen. Der sel. Otto, Sohn des hl. Leopold, trat in Morimond ein und initiierte von dort die Gründung von Heiligenkreuz durch seinen Vater im Jahre 1133. Er selbst wurde aber auf dem Bischofsitz von Freising berufen († 1158). Der sel. Eugen III. trat in Clairvaux ein, war dann Abt von S. Anasatasio in Rom und wurde 1145 als erster Zisterzienser zum Papst gewählt († 1153).

Zisterzienserklöster dienten auch als Grablege für verschiedenen Herrscherhäuser, so Poblet für die Könige von Aragon, Heiligenkreuz für die Babenberger. Das Neukloster wurde, ganz ungewöhnlich, nicht in einem entlegenen Tal, sondern in der Residenzstadt Friedrichs III. gegründet und zugleich mit Privilegien ausgestattet. Der Abt des Neuklosters hatte dabei auch pontifikale Funktionen auszuüben. Immerhin gabe noch keine Bischofsitze in Österreich, die ersten drei (Wiener Neustadt, Wien und Laibach) wurden erst 1469 errichtet.

Im 19. Jh. brachten die Säkularisation für die Zisterzienser wie für die anderen Orden einen tiefen Einschnitt. Unter Josef II. kam es auch in Österreich zu zahlreichen Aufhebungen von Zisterzienserklöstern. Die verbleibenden können aber bis heute auf eine lange ununterbrochenen Tradition zurückblicken, so befinden sich unter ihnen auch die ältesten ununterbrochen bestehenden Klöster des Ordens, Rein (gegr. 1129), Heiligenkreuz (gegr. 1133), Zwettl (gegr. 1138 von Heiligenkreuz aus).

Für den Bereich der Habsburger-Monarchie kam es 1859 in Prag durch Kardinal Schwarzenberg zur Gründung der "Österreichischen Zisterzienserkongregation". 1891 trat Wettingen-Mehrerau aus der Kongregation aus, nach dem I. Weltkrieg schieden die böhmischen, ungarischen und polnischen Klöstern aus der Kongregation aus.

In Österreich gibt es derzeit 8 Zisterzienserklöster und 3 Zisterzienserinnenklöster. Zur "Österreichischen Zisterzienserkomgregation" gehören: Rein, Heiligenkreuz-Neukloster, Zwettl, Wilhering, Lilienfeld und Schlierbach. Wettingen-Mehrerau gehört wie Stams (Tirol) zu "Kongregation von Mehrerau". Unter den Frauenklöstern befinden sich zwei noch junge Klöster: Marienkron (Burgenland), 1955 von Heiligenkreuz gestiftet und von der deutschen Abtei Seligenthal besiedelt, und Marienfeld 1974 vom dritten Frauenkloster in Österreich, Mariastern-Gwiggen (Vorarlberg), gegründet.

Den Gedanken der Mission kam es nicht nur im iro-schottischischen Mönchtum. Schon der hl. Benedikt begann, die noch weitgehend heidnische Bevölkerung im Umkreis von Montecassino zu missionieren. Die Zisterzienser kennen keine Mission im eigentlichen Sinne. Auch wenn sich der Orden im Mittelalter sehr schnell über ganz Europa ausgebreitet hat, gibt es keine den Missionsbenediktinern vergleichbare Entwicklung. Im Mittelalter war es auch in Europa schon schwierig, die Struktur (Generalkapitel, Visitationen) aufrechtzuerhalten. Erst im 20. Jh. kam es mit dem neuen Aufschwung des Ordens zu Gründungen in anderen Kontinenten.

Vor allem in Brasilien erfolgten einige Gründungen (durch Wilhering und Schlierbach (Österreich), Himmerod (Deutschland) und italienische Klöster). Die brasilianischen Zisterzienser engagieren sich sehr in der Pastoral. Zisterzienserinnen haben Klöster in Bolivien gegründet. Des weiteren erfolgten Gründungen u.a. in Kanada und USA. Sehr gut entwicklen sich die jungen Klöster ihrer Liturgie in orientalisch-äthiopischen Ritus.

Die jüngste Neugründung erfolgte 1988 durch Heiligenkreuz in Bochum-Stiepel. Vor kurzem wurde das alte Kloster Valdedios (Spanien) wiederbesiedelt. - Heute gibt es 77 Männer- und 89 Frauenklöster.

 5. Leben und Aufgabe der Mönche

Die Grundgedanken der Benediktsregel werden oft als "Ora et labora" ("Bete und arbeite") bezeichnet. Aber der hl. Benedikt spricht ausdrücklich von der "Lesung" als drittem Element für die Zeit, die nicht durch Arbeit und Chorgebet ausgefüllt ist. (vgl. Benediktsregel. 48). Diese Lesung meint nicht nur die geistliche Lesung und Betrachtung, sondern auch das, was wir heute Theologiestudium nennen würden. Im weitesten Sinne schließt es aber auch allgemein einen Bildungsanspruch ein, so finden sich z.B. in Heiligenkreuz unter den ältestes Handschriften Werke des heidnischen Cicero. Zentrales Element der benediktinischen Klostergemeinschaft ist freilich das gemeinsame (Chor-)Gebet; "nihil operi Dei praeponatur" - "Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden." (Benediktsregel. 43)

Entsprechend dem eigenen Reformbestreben beschränkt sich das Leben der Mönche zunächst auf den innerklösterlichen Bereich. Auch die kulturellen Leistungen gehen aus diesem hervor. Besonders zu erwähnen sind die Leistungen in der Landwirtschaft und der Architektur. Hier ergab sich die Breitenwirkung fast automatisch. In Heiligenkreuz wurde 1295 der erste Hallenchor Österreichs geweiht. Auf großartige Weise wurde dieser Stil beim Kirchenbau der Neugründung in Neuberg/Mürz auf die ganze Kirche übertragen. Da die Äbte jedes Jahr zum Generalkapitel nach Cîteaux in Burgund reisen mußten, brachten sie von dort für ihre Bauvorhaben die neusten Ideen aus Frankreich mit und sortgen so für die Verbreitung der Gotik in Europa.

Mit der Blüte des Ordens wurden fast selbstverständlich viele andere Aufgaben an die Zisterzienser herangetragen. In einer 900 Jahre währenden Entwicklungen kam es einerseits zu regional unterschiedlichen Ausprägungen, andererseits, wie bei anderen Orden auch, zu Akzentverschiebungen, die sich auch aus den "Zeichen der Zeit" ergeben.

So kam es auch zur Übernahme von seelsorglichen Aufgaben, die sich teilweise organisch ergeben haben für die im Laufe der Zeit bei den Klöstern oder ihren Gütern sich ansiedelnde Bevölkerung, teilweise den Klöstern übertragen wurden, so in Österreich vor allem unter Josef II., aber zur Gründungen von Schulen. Immer wieder haben Zisterzienser auch Aufgaben außerhalb des eigenen klösterlichen Wirkungsbereichs übernommen, teilweise ganz untypische, so z.B. im Neukloster P. Dominik Bilimek (1813-1884). U.a. begleitete er Erzherzog Maximilian nach Mexiko, wo er diesem als Kaiser von Mexiko als Seelsorger und Naturforscher zur Seite stand. Zuletzt war er Museumsdirketor in Miramar, von wo auch seine Unterschrift zum Vereinigungsvertrag zwischem dem Neukloster und Heiligenkreuz eingeholt werden mußte. - Abt Gregor Henckel-Donnersmarck von Heiligenkreuz war zuvor einige Jahre Nationaldirektor von "Missio Austria". Auch gibt es sowohl in Ungarn wie in Brasilien einen Zisterzienser, der das Bischofsamt bekleidet.

Die Situation war in den anderen Ländern vor der Säkularisation nicht von der in Österreich verschieden. Allein in Österreich gibt es noch eine Kontinuität seit den Gründungen im Mittelalter - mit aller Last und Verantwortung der Geschichte. So befindet sich in Österreich auch die einzige Hochschule des Ordens, die 1802 in Heiligenkreuz gegründet wurde.

Bei der Erneuerung der Ordens kam es mit zahlreichen Wiederbesiedlungen zuvor aufgehobener Klöster und Neugründungen am Ende des 19. Jhs. und in diesem Jh. vielfach zu einer Rückbesinnung auf ein weitgehend kontemplatives Leben - mit einem bisweilen etwas romantischen Ideal. Heute stellt die österreichische Situation der Klöster, verbunden mit den weiterhin "inkorporierten Pfarreien" eine Besonderheit dar. Wenngleich das heutige Leben der Zisterziensermönche von unseren mehr kontemplativ ausgerichteten Brüdern in Deutschland und vor allem in Frankreich vielleicht als etwas "unzisterziensisch" gesehen wird, so ist auch auf die übernommen Verpflichtungen zu verweisen und darauf, daß in Österreich letztlich die längere ununterbrochene "Tradition" besteht.

Über das Charakteristikum des Mönchsgemeinschaft gegenüber anderen Ordensgemeinschaften sagt das II. Vatikanische Konzil. "Vornehmste Augabe der Mönche ist der demütig-hohe Dienst vor der göttlichen Majestät innerhalb des klösterlichen Bereichs." (Dekret über das Ordensleben. 9) Diese Rückbindung muß auch inmitten aller äußeren Tätigkeit, Seelsorge, Schule, Wissenschaft etc. bestehen bleiben.

Quelle:
Stiftspfarramt Neukloster
Neuklostergasse 1
A-2700 Wiener Neustadt
http://www.bg-bab.ac.at/~ordcist/ordensge.htm.

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