Bischöfliches Dekret zur kanonischen Errichtung der Pfarrei Killwangen

Killwangen wird geschichtlich erstmals im Jahre 1234 erwähnt. Damals kaufte die Abtei Wettingen von einem Ritter Ruom durch die Hand des Grafen von Kyburg in Killwangen ein Gut. Dieses war ein Hof, zu dem eine halbe Hube, 1 Mühle, 3 Scheunen und ein Berg gehörten. Damit erwarb das Kloster Twing und Bann im ganzen Dorfe, das sich auch über die heutige Gemeinde Neuenhof bis an den Bruggenbach erstreckte, der dem Kloster gegenüber in die Limmat mündet und die Grenze gegen Baden bildete.

Die Grossmark Baden war in der Zeit der Christianisierung des Allemannenlandes eine Grosspfarrei. Die Kirche in Baden war die erste, welche in dieser Grossmark gebaut wurde. Die Kirchen von Rohrdorf, Dietikon, Fislisbach und Birmenstorf wurden von Baden aus gegründet und waren eine Zeit lang Tochterkirchen der Hauptkirche der Mark. Die Kirche zu Baden gehörte zum Kapitel Rapperswil. 

Die Kirche von Dietikon war einst Mittelpunkt einer ausgedehnten Pfarrei, welche die ganze linke Talhälfte von Urdorf bis Killwangen und von der Limmat bis zum Mutschellen umfasste. Dabei muss es sich um einen sehr alten Pfarrbezirk gehandelt haben, der, wie die meisten Urpfarreien an einer Römerstrasse lag, ja von einer eigentlichen Römersiedlung ausging. Ums Jahr 1370 wurde die Kappelle St. Viktor in Killwangen unter den Fillialen der Pfarrei Dietikon genannt. (F. Wernli: Beiträge zur Geschichte des Klosters Wettingen.) Später wurde Killwangen kirchgenössig zur Pfarrei Wettingen. Politisch teilte Killwangen die Schicksale der Grafschaft Baden.

Im Grossrätlichen Dekret vom 19. Christmonat 1845 betr. Pfrundaussteuerungen aus dem Vermögen der aufgehobenen Klöster Muri und Wettingen heisst es: die bisherige Pfarrei Wettingen bleibt unverändert mit Ausnahme von katholisch Killwangen, das der neu zu errichtenden Pfarrei Spreitenbach zugeteilt wird. Diese Zuteilung erfolt dann auch im Jahre 1861 durch die aargauische Regierung. Die Killwanger wollten aber nichts davon wissen und der Bischof von Basel, der am 21. Juni 1861 von der Regierung um Intervention ersucht wurde, wollte keinen Zwang ausüben. 1886 wurde dann Killwangen mit der neuen Pfarrei Neuenhof vereinigt.

Die Kapelle St. Victor

Die St. Ulrich und St. Agatha geweihte Haupt- oder Mutterkirche stand von altersher in Dietikon. Ihr waren Kapellen zugeordnet in Oberurdorf, im "unteren Reppischtal", Rudolfstetten, Friedlisberg, Spreitenbach und Killwangen. An der heutigen Durchgangsstrasse Zürich-Baden wurde im Jahre 1251 die Kapelle Ursus und Viktor erbaut, später die St.Viktor-Kapelle genannt. In unmittelbarer Nähe standen bereits drei Häuser. Eine erste Vergrösserung der St. Viktor-Kapelle erfolgte im Jahre 1272 und ein weiterer Ausbau wurde 1340 vorgenommen. Nach überlieferten Angaben soll die Aufhebung in den Zeitraum von 1780 bis 1790 zurückgehen. Nachdem aber der Staat Aargau als Besitzerin der Liegenschaft diese nach Aufhebung der aargauischen Klöster im Jahre 1842 für zweitausend Gulden an einen Juden verkaufte, dürfte die Gottesdienstaufhebung eher mit dem Zeitpunkt der Klosteraufhebung zusammenfallen. Andere Quellen berichten, dass nach der Reformation Abt Christoph I von Wettingen (1563-1608) Reliquien und Altar ins Kloster verbringen und dort aufstellen liess. Seit dieser Zeit ist vermutlich Killwangen zu Wettingen pfarrgenössig geworden, besuchten doch schon bereits 1766 die katholischen Killwanger die Klosterkirche Wettingen. Die Kapelle blieb stehen und wurde von einem Nachbar zur Aufbewahrung von Stroh benützt, gelegentlich auch als Nachtquartier für Arme. Später wurde auf die Fundamentsmauern des Schiffs ein Wohnhaus und Scheune gebaut, das den Namen St. Viktor behielt. Der Chor befindet sich unter der Oberfläche des Gartens. Im Viehstall gegen Nordwest sah man noch die frühere Eingangstüre und Fenster. Um 1850 grub man um die ehemalige Kapelle Totengebein aus. Durch Ausbauarbeiten im Bauernhaus wurde vor wenigen Jahren schliesslich ein Massengrab entdeckt. Dieses befindet sich in zwei Meter Tiefe und umfasst vier aufeinanderliegende Bestattungsschichten. Die Skelette sind sauber und gut erhalten und weisen keinerlei Verletzungen auf. Das Grab verläuft in der Form einer leichten Halbrundbiegung unter die heute teilweise noch vorhandenen alten Fundamente der ehemaligen Kapelle. Die Begräbnisstätte dürfte in die Zeit vor 1251 fallen.

Noch heute erinnert der Fussweg an der westlichen Gemeindegrenze - das "Chilewägli" - an das Kappeli. Aus diesem kleinen Gotteshaus soll übrigens das prächtig geschmiedete, teilweise gravierte und vergoldete Chorgitter stammen, welches sich bis 1973 in der oberen Kapelle des Landesmuseums befand. Der Altar steht im Vorraum der Klosterkirche Wettingen. 

Die Kirche Bruder Klaus 

1888 war es vor allem das Legat von Pfarrhelfer Johann Voser, Bürger von Neuenhof, das die Killwanger Katholiken bewog, sich mit den Katholiken von Neuenhof zu vereinen zur Pfarrei St. Josef und zur Kirchgemeinde Neuenhof - Killwangen. Doch es war ein Killwanger Bürger, Leonz Widmer, Pfarrer von Fislisbach und später Dekan des Kapitels Regensberg, der mit grosser Tatkraft und Zähigkeit den Kirchenbau vorantrieb und die Errichtung von Pfarrei und Kirchgemeinde beförderte. Der Killwanger Leonz Widmer finanzierte auch aus eigenen Mitteln und privaten Spenden den Bau des Pfarrhauses in Neuenhof.

Ende der dreissiger Jahre dieses Jahrhunderts wurde es infolge eines Seuchenzuges notwendig, im Schulhaus in Killwangen Gottesdienst zu halten, was bei den Killwangern begreiflicherweise den Wunsch wachrief, auch inskünftig vermehrte eigene Gottesdienstgelegenheit zu erhalten. Durch eine Schenkung aus Killwangen wurde es dann möglich, in ein grosses Schulzimmer einen verschliessbaren Altar einzubauen, wo in der Folge zuerst wöchentlich einmal an einem Werktage, später auch Sonntags die hl. Messe gefeiert wurde. Im Winter 1939 macht die Kirchgemeinde das Gelöbnis, in Killwangen eine Bruderklausenkapelle zu bauen, wenn unser Volk vom Kriege verschont bliebe. Das führte zur Gründung eines Kirchenbauvereins und zum Beschluss der Kirchengemeinde vom 7. Januar 1951, in Killwangen eine Bruderklausenkirche mit Pfarrhaus zu bauen, nach den Plänen des Herrn Architekten Moser in Baden im Kostenvoranschlag von Fr. 300'000.-. Die Grundsteinlegung fand am 4. November 1951 durch den hochwst. Herrn Domherrn Gottfried Binder statt. Die feierliche Konsekration der neuen Kirche erfolgte durch den hochwst. Herrn Dr. Franciscus von Streng am 19. Oktober 1952. Die Kosten für Kirche und Pfarrhaus betrugen Fr. 360'00. 

Durch Zuwendungen, Beiträge, Veranstaltungen und die erfolgreichen Bettelpredigten des hochw. Herrn Pfarrer Iten wurden bereits 279'000.00 SFR gespendet, so dass nach Abzug der von der Kirchgemeinde beschlossenen Auskaufsumme von 30'000.00 SFR noch eine Schuld von 31'000 SFR verbleibt. Als Kaplan für Killwangen konnte der frühere Pfarrer von Langenthal, hochw. Herr Adolf Bösch gewonnen werden.

Nunmehr wollte katholisch Killwangen auch eine eigene Kirchgemeinde und Pfarrei werden. Mit 143 gegen 19 Stimmen beschloss die Kirchgemeinde Neuenhof-Killwangen, diesem Wunsche zu entsprechen.

Durch Dekret des Grossen Rates vom 30. November 1954 wurde mit Rechtskraft auf den 1. Januar 1955 die neue Kirchgemeinde Killwangen gegründet. Am 11. Mai 1955 trennte auch der Bischof von Basel das Gebiet der Gemeinde Killwangen kanonisch von der bisherigen Pfarrei Neuenhof los und erhob es zu einer selbstständigen Pfarrei mit allen Rechten und Pflichten.

Nachdem feststeht, dass

  1. 1.die Katholiken von Killwangen, namentlich wegen der lebensgefährlichen Überlandstrasse als Kirchweg nach Neuenhof, besonders für Kinder und alte Leute, die Errichtung einer eigenen Pfarrei verlangen,

  2. 2.das Pfarramt Neuenhof und die bisherige Gesamtkirchgemeinde derselben zustimmen,

  3. 3.die neue Kirchgemeinde Killwangen die finanziellen Voraussetzung auf sich nimmt,

  4. 4.der Domsenat des Bistums Basel unter dem 3. Mai 1955 gemäss can. 1427 des kirchlichen Gesetzbuches sein Einverständnis dazu erteilt hat,

verordnen wir:

  1. 1.Das Gebiet der Gemeinde Killwangen wird anmit kanonisch von der bisherigen Pfarrei Neuenhof losgetrennt und zu einer selbständigen Pfarrei mit allen Rechten und Pflichten erhoben.

  2. 2.Gemäss can 1427 § 5 des kirchlichen Gesetzbuches steht die libera collatio der neuen Pfarrei dem Bischof zu. Wir ernennen deshalb, gemäss dem Gesuche der Ausführungskommission zur Gründung einer selbständigen Kirchgemeinde Killwangen, zum ersten Pfarrei der neuen Pfarrei Killwangen den hochw. Herrn Kaplan Adorf Bösch, bisher Kaplan daselbst.

  3. 3.Der Bischof wahrt sich das Recht der authentischen Interpretation dieses Dekretes, ebenso das Recht, wenn zu Nutz und Frommen der Seelsorge es nötig werden sollte, Bestimmungen dieses Dekretes abzuändern.

  4. 4.Vorstehendes Dekret tritt mit dem 15. Mai 1955 in Kraft. Es ist zu gegebner Zeit im Hauptgottesdienste in der Mutterpfarrei Neuenhof und am Installationstage des neuen Pfarrers in der neuen Pfarrkirche zu Killwangen von der Kanzel zu verlesen.

Möge Gottes Segen die alte und die neue Pfarrei immerdar begleiten.

Gegeben zu Solothurn, den 11. Mai 1955

Franciscus von Streng, Bischof von Basel und Lugano
Gottfried Binder, Domdekan

1951/1952 wurde die kath. Kirche mit Pfarrhaus in Killwangen erstellt.

Aus der Abhandlung über neue Kirchenbauten im Bezirk Baden von Hermann Reinle im Badener Neujahrsblatt 1955, S.53:

"Das Pfarrhaus ist auf knappe Formel, allzu enge Formel gebracht. In der Kirche ist es dem Architekten gelungen, den räumlichen Eindruck zu weiten, indem er schmale und hohe, durch Säulen locker abgetrennte Seitenschiffe zu dem Hauptschiff stellte. Zudem ist der Raum bis unter das Satteldach ausgenützt, wie es anderwärts bereits mit Erfolg durchgeführt wurde. Ohne Aufdringlichkeit ist die Decke in kräftiger Holzkonstruktion gestaltet (Füllungen aus gestrichenen Faserplatten), die ein Gegenstück findet in dem Betonraster, der bei den eigenwillig und rhytmisch angeordneten Fenstern verwendet ist. Der ohne Gegenlicht reichlich ausgeleuchtete helle Chor ist durch eine angeschnittene Ellipse gebildet. Er wird durch den klargeformten Altar aus sattgrauem Naturstein beherrscht. Kanzel und Kommunionbank sind auf knappe Formel gebracht, aber aus edlen Materialien geformt. Die Goldschmiedearbeiten am Tabernakel führte Otto Zweifel in Luzern aus. Die farbtonige Haltung des Raumes, durch die farbige Verglasung von Willy Helbling gut gelenkt, erleidet etwelche Einbusse durch die bekannte gelbliche Tönung des Fussbodens aus Solnhoferplatten, einem fremden Material, das sich wohl selten für unsere Kirchenbauten eignen dürfte, auch wenn es noch sorgfältiger verlegt wird."

 

Von der Kapelle zur Kirchgemeinde
Aus "Killwangen" herausgegeben von der Einwohnergemeinde Killwangen 1976 und Pfarrei St. Josef Neuenhof, 1888-1988

Spatenstich am 04.09.1951
und Grundsteinlegung am 4.11.1951

Triumphbogen Kirchweihe durch den Bischof Binder

Entstehung der kath. Kirche in Killwangen