Die Anfänge Killwangens
reichen, sieht man von vereinzelten Funden aus vorrömischer Zeit ab,
zurück ins 13. Jahrhundert.
Killwangen ist in einem
Zinsverzeichnis der Propstei Zürich, das vor 1227 angelegt wurde,
erstmals in der Form "Chullewangen" überliefert. Der Ortsname
ist alemannischen Ursprungs und lautete im Althochdeutschen "ze
Chullingwangun", was "bei den Abhängen des Chullo"
bedeutet.
Killwangen erscheint
1234
in einer Urkunde
erstmals unter dem Namen Culliwanch. In diesem Jahr kaufte die Abtei
Wettingen von einem Ritter Ruom durch die Hand des
Grafen
von Kyburg ein Gut in Culliwanch. Das Gut bestand aus einem Hof, zu
dem eine halbe Hube,
vier Schuppossen,
eine Mühle, drei Scheunen und ein Berg gehörten. Mit den Gütern
erwarb Wettingen auch Twing
und Bann im ganzen Dorfe. Der Dorfbann Killwangen erstreckte sich
auch über die heutige Gemeinde Neuenhof und reichte bis an den
Bruggebach, der dem Kloster
Wettingen gegenüber in die Limmat mündet und die Grenze gegen
Baden bildete. Der neue Bann war zurzeit des Kaufes rein
grundherrschaftlich; Freie waren darin nicht ansässig.
1241 schenkten die Grafen
von Kyburg dem Kloster den Badberg, von welchem der grösste Teil sich
im Dorfbann Killwangen befand. Zwei Jahre später verkaufte Hartmann von
Schönenwerd sein Gut "Ricenkelun", das südlich des Klosters
"ultra Lindimacum" am Badberg lag. Dieses Gut befand sich
innerhalb des Bannes gegenüber der Abtei in der Nähe des späteren
Dorfes Neuenhof. Der Standort ist in der Urkunde nicht genau angegeben.
Eine Urkunde von 1321 nennt "Rizenkel" beim Badberg. Der
Flurname Ritzkelen bezeichnet heute noch die Anhöhe oberhalb von
Neuenhof. In der Bereinigung von Neuenhof von 1653 besitzt dort ein
Bauer genannt "Schneckh Ritzikellen" einen Lehenhof. 1563 wird
ein Acker "unter Ritzikelen ze Nüwenhoff" genannt. Auf diesem
Stück Allmend des Dorfes Killwangen fanden die
Zisterzienser-Mönche
ein für sie geeignetes Betätigungsfeld. Sie rodeten und errichteten
eine Grangie, einen Hof, den sie mit eigenen Kräften bewirtschafteten.
Dies ist zwar nirgends direkt bezeugt, doch ergibt es sich aus zwei
Indizien:
1303 überträgt die
Äbtissin des
Klosters
Säckingen dem Kloster Wettingen als Erblehen gewisse Besitzungen
ihrer Kapelle Heilig Kreuz, die in Killwangen und Spreitenbach gelegen
sind und welche die Mönche von Wettingen durch ihre Arbeit und auf ihre
Kosten kulturfähig gemacht haben. In der Bereinigung von Neuenhof aus
dem Jahre 1653 werden Kapelläcker genannt, die in der Zelg gegen die
Fähre, also nahe dem Kloster liegen. Es ist durchaus möglich, dass es
sich bei diesen Kapelläckern um das vor 1303 im Banne Killwangen urbarisierte
Land handelt. Die spätere Geschichte von Neuenhof bestätigt die
Annahme, dass es sich bei diesem Dorf um ehemaliges Grangieland
handelt. Da im Banne Killwangen der Erwerb von viel umfangreicheren
Gütern nachgewiesen werden kann als später im Besitze von Lehenbauern
bezeugt sind, kann angenommen werden, dass zur Errichtung dieses
Eigenbetriebes auch Bauerngüter verwendet wurden. Die Neugründung
erhielt den Namen "Nüwenhof". Als die Zisterzienserklöster
im 14. Jahrhundert ihre Eigenwirtschaft fast ganz aufgaben, verlieh
Wettingen dieses Land an Leibeigene. Weil erst jetzt ein Dorf entstand,
erscheint der Name Neuenhof 1393 zum ersten Mal in einer Quelle. Vorher
wurde dieses Gebiet zu Killwangen gerechnet, und nur dieser Name ist in
den Urkunden zu finden. Später wurde meistens nur noch Neuenhof
genannt, indem man Killwangen, das im gleichen Gerichtsbann lag, als
inbegriffen betrachtete. Neuenhof war grösser und wichtiger geworden.
Ein weiterer wichtiger
Landhandel in unserer Gemeinde fand am 25. Juni 1258 statt: Heinrich von
Schönenwerd, Dienstmann des Grafen Hartmann von Kyburg, verkauft mit Zustimmung
seiner Söhne (videlicet Hartmanni clerici plebani in Baden et Johannis
militis) dem Kloster Wettingen ein Grundstück zu Killwangen. Unter den
Zeugen wird Petrus Viceplebanus in Baden genannt.
Den wichtigsten Kauf
tätigte das Kloster 1259, indem es von Graf Rudolf von Habsburg für
340 Mark die Höfe und Güter in Dietikon und Schlieren erwarb. Im
Kaufbrief wird auch die Kapelle in Killwangen erwähnt. Die erste
Kappelle wurde 1251 an der heutigen Durchgangsstrasse Zürich-Baden
erbaut. In unmittelbarer Nähe standen bereits drei Häuser. Eine erste
Vergrösserung der erfolgte 1272 und ein weiterer Ausbau wurde 1340
vorgenommen. Abt Johann Müller von Wettingen
(1486-1521) liess das kleine Gotteshaus zu Ehren der Thebäerheiligen
Ursus
und Viktor und ihrer Gefährten neu errichten, wie es scheint aus
Anlass einer Reliquienschenkung aus Solothurn. 1517 wurde es durch den
apostolischen Legaten und Bischof von Veroli, Ennius Philonardus,
geweiht. Nach der Reformation holte Abt Christoph Silberisen (1563-1594)
die Reliquien und den Altar ins Kloster Wettingen zurück.
Nach überlieferten Angaben soll die Aufhebung in den Zeitraum von 1780
bis 1790 zurückgehen. Auf die Fundamentsmauern des Schiffs wurde
später ein Wohnhaus mit Scheune gebaut. Der Name "Viktor" ist
in der Bevölkerung auch heute noch lebendig und weist auf dieses Haus
hin.
1311 verzichtete der Abt
von Rheinau auf die Hinterlassenschaft der Eheleute Jakob und Adelheid
Näf zugunsten des Klosters Wettingen gegen eine Entschädigung von drei
Mark Silber. Er vergabte diesem gleichzeitig auch das der Gattin
Adelheid von deren Vater zugekommene Gut "Schönbrot" in
Killwangen. Auf dieser Urkunde sind neben dem Schultheissen Konrad noch
Rüdger von Siggingen, Vlirich Bai, Johans von Regensberg und Werner
Kaufmann (Mercator) als Bürger und Zeugen aufgeführt.
Das Schicksal der
bescheidenen, bäuerlichen Bevölkerung war nahezu 600 Jahre lang mit
der Geschichte des Klosters Wettingen eng verknüpft. Im
Gemeindewappen
mit rotem Grund weist der weisse Sparren über dem weissen Stern auf den
einstigen Gerichtsherrn hin. Die Gemeindegeschichte verzeichnet wenig
historische Ereignisse. Vielmehr hatte das kleine Dorf im Laufe der
Jahrhunderte unter kriegerischen
Auseinandersetzungen, Hungersnöten,
Pest und anderen Krankheiten schwer zu leiden.
Die
Bauern waren gezwungen, ihre Feldfrüchte in den Städten zu
verkaufen. Die Killwanger setzten ihre Landesprodukte hauptsächlich in
Baden ab. Um in die Stadt zu gelangen, mussten sie zuerst die Fähre in
Wettingen und dann die Brücke in Baden passieren. Wegen des
Fährlohnes herrschten immer wieder Streitigkeiten. Auch der Brückenzoll
in Baden führte oft zu Auseinandersetzungen. Die Killwanger Bauern
unternahmen 1701, 1711 und 1712 erfolglose Versuche, den Brückenzins
abzuschütteln. Die ständigen Reibereien haben den Killwangern vermutlich den Beinamen "Isestange"
(härti Grinde)
eingetragen.
1765 bis 1770 wurde die
Strasse Zürich - Dietikon - Baden gebaut. Von Baden bis an die
Grafschaftsgrenze hatte jede Gemeinde das Stück innerhalb ihres Bannes
selber zu bauen. Killwangen erstellte 3200 Schuh.
1778 umfasste Killwangen
als Dorfsiedlung zehn bewohnte Häuser. In diesen zehn Häusern befanden
sich 16 Haushaltungen, die zusammen 90 Einwohner zählten. Diese genauen
Angaben sind in einer Statistik enthalten, welche der in "Birmistorff"
tätige Pfarrer Fridolin Stamm 1776 bis 1780 über sämtliche Gemeinden
der Grafschaft Baden durchgeführt und ausgewertet hat. Die
einwohnermässige Entwicklung der Gemeinde verlief seither gleichmässig.
Bis 1850 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl, nämlich von 90 auf 182
Einwohner. 1984 zählte die Gemeinde 1120
Einwohner.
1842 ereignete sich eine
Brandkatastrophe. Sieben urtümliche Strohdachhäuser fielen - offenbar
wegen eines Funkenwurfes aus einem Kamin - einem verheerenden Brand zum
Opfer.
1872 befassten sich die
Behörden ernsthaft mit dem Bau des ersten eigenen Schulhauses. Der Bau
wurde 1875 begonnen und Ende 1867 beendet. Das markante Gebäude
erfüllte nahezu 100 Jahre seinen Zweck. Am 6./7. September 1975 wurde
ein neues Schulhaus festlich eingeweiht.
Nachdem
Neuenhof im Jahre 1890 eine eigene Kirche erhielt, wurde Killwangen nach
Neuenhof eingepfarrt. Durch Dekret des Grossen Rates vom 30.
November 1954 wurde mit Rechtskraft auf den 1. Januar 1955 die neue
Kirchgemeinde Killwangen gegründet. Am 11. Mai 1955 trennte auch der
Bischof das Gebiet der Gemeinde Killwangen kanonisch von der bisherigen
Pfarrei Neuenhof los und erhob es zu einer selbstständigen Pfarrei mit
allen Rechten und Pflichten.
1951/1952 wurde die
kath.
Kirche mit Pfarrhaus in Killwangen erstellt.
Vor 80 Jahren konnte die
Limmat in Killwangen nur mit einer Fähre überquert werden. Der letzte
Fährmann war der "Fahr"-Wirt Samorani. Die Überfahrt kostete
pro Person 10 Rappen. 1921 wurde eine
Hängebrücke aus Holz erstellt.
Der wackelige Steg war bald baufällig, hing eine Zeitlang schief und
wurde später nochmals renoviert. In den Dreissigerjahren wurde die
heutige Stahlfachwerkbrücke
errichtet. Wegen des Nationalstrassenbaus
musste sie 1967 um rund 50m Flussaufwärts
verschoben werden.
Die
Brücke wurde im Jahre 2001 saniert.
Vor allem mit dem Bahnbau
zeichnete sich langsam ein wirtschaftlicher Aufschwung ab. Anfangs gab
es auf der Spanischbrötli-Bahn-Strecke
von 1847 zwischen Dietikon und Baden keine Haltestellen. Schon das Jahr
1848 brachte Killwangen den Bahnanschluss.
143 Jahre später, am 27. Mai
1990, wurde unsere Gemeinde an das Liniennetz der Zürcher S-Bahn
angeschlossen. Immer mehr wuchs unsere Gemeinde mit den Nachbargemeinden
zusammen so dass der Begriff "Limmattalstadt" in einer
Publikation des Statistischen Amtes der Stadt Zürich im Jahre 2004
auftauchte. Das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums in den
Gemeinden Schlieren, Urdorf, Dietikon, Spreitenbach und Killwangen, die
zur "Limmattalstadt" hinzugerechnet werden wird als spektakulär
bezeichnet. So sind zwischen 1985 und 2001 40.5 % mehr Arbeitsplätze
entstanden. Die Bevölkerung wuchs im selben Zeitraum um 6.1 %. Während
in Killwangen die Arbeitsplätze zwar mit -15%
rückläufig waren wuchs die Wohnbevölkerung mit +32% überproportional
stark an. Und noch ist in den Gemeinden der "Limmattalstadt"
Wachstumspotential vorhanden. "Vor allem dank den erheblichen, bereits
gut erschlossenen Industrielandreserven." Zukunftsträchtige Projekte wie
der Autobahn-Halbanschluss in Spreitenbach sowie die geplante
Limmatal-Stadtbahn
werden auch in den nächsten Jahren die Attraktivität des
Wirtschaftsstandortes und Lebensraumes "Killwangen" weiter stärken.